Beitragsbild: Beteiligungsformate
Aus dem Inhalt: Weil einzelne Workshops nicht reichen … und: Ins Handeln kommen
Nach dem Aufstieg der Demokratie als friedens- und wohlstandsfördernde Herrschaftsform der Vielen, geht es zu Beginn des 21. Jahrhunderts wieder darum, sie u. a. auch via institutionalisierten Pluralismus gegen loyale Partikularinteressen zu immunisieren und zu stärken.
Dafür geeignete Maßnahmen betreffen insbesondere diese beiden Aspekte:
- Demokratie als Alltagserfahrung und ein
- repräsentativeres System, zB via Losverfahren.
Der Weg zu einer partizipative(re)n Demokratie ist allerdings gepflastert mit zahlreichen Stolpersteinen, die aus den bestehenden Machtverhältnissen und dem erforderlichen politischen Engagement zu ihrer Überwindung hervorgehen. Die einfache Forderung nach mehr Bildung bleibt dabei unzureichend (vgl. Armin Nassehi). Das gute Leben für alle wird zudem nicht durch einzelne Teilgesellschaften (Rousseau) wie politischen Parteien oder Religionsgemeinschaften erwirkt (siehe u. a. Repräsentationsdefizite), sondern „gemeinsam von allen für alle“, ganz republikgemäß (res publica) eben und demokratisch – zum Beispiel durch „Druck von unten“ (und „von oben„):
Mittlerweile blickt auch die Katholische Kirche – wie damals Jesus von Nazareth – über den Tellerrand hinaus und hält damit die Türen weit offen für Maßnahmen zur Stärkung der Demokratie als säkularisierte Ekklesia:
Deshalb die verschiedenen Aufrufe zu Handeln. So antwortete auch Papst Franziskus auf eine Frage des Spanischlehrers Jesús Maria Martínez: „Wir müssen uns in die Politik einmischen, denn die Politik ist eine der höchsten Formen der Nächstenliebe, denn sie sucht das Gemeinwohl. Und die Laien müssen sich in der Politik einsetzen.“ Er sprach dabei von einer „Pflicht für einen Christen!„
Zudem ruft Jahrzehnte nach der ersten Armutskonferenz im Jahr 1995 die Zukunft erneut bei uns an und ersucht um eine lebendige Kultur demokratiestärkender Debatten (s. a. 14te Armutskonferenz: Zukunftswerkstatt Beteiligung). Beispielsweise darüber, einen Begegnungsort Demokratiekonferenz aus der Taufe zu heben. Diesen verstehe ich in Anlehnung an die (Entstehungs-)Geschichte der Armutskonferenz im Bildungshaus St. Virgil als Agora, die auch „Lust auf Teilhabe“ (Amlinger/Nachtwey, 2025) bei den Anwesenden macht. Begründung:
Weil einzelne Workshops nicht reichen …
… braucht es für transformationsbegeisterte Jakobiner:innen weitere aktivitätsfördernde Orte der Verständigung – bei Bedarf auch Abstimmung – darüber, wie Demokratien gestärkt werden können. Die Suche nach geeigneten Maßnahmen ist ein fortwährender Prozess der Erneuerung, angetrieben durch die jeweils aktuellen Herausforderungen der Zeit. Die wichtigste und zugleich schwierigste Aufgabe dabei ist wie so oft die Umsetzung der gefundenen Antworten in die Praxis. Womöglich findet sich hier die eine oder andere Anregung, die bei der Suche danach unterstützend wirkt:
Erste Utopie: Demokratiebüro
Tamara Ehs: „Es gibt genügend gute Ideen und Vorbilder. Was es dafür braucht, ist ein gewisser Mut [Anm.: vgl. Aufrufe zu Handeln], vielleicht sogar schon einen militanten Optimismus, aber jedenfalls eine konkrete Utopie. Ein Demokratiebüro wäre eine erste Utopie, wo man anfangen könnte, neue Ideen der Bürgerbeteiligung nicht dem Volk überzustülpen, sondern es selbst und gemeinsam gestalten zu lassen. Immerhin kann die Antwort […] auf die Demokratiekrise ja nur in einer umfassenden Demokratisierung bestehen.“ (Protokoll zur Enquete-Kommission „Stärkung der Demokratie in Österreich“ vom 18. Dezember 2014, S 308)

Medikament gegen Stolpersteine: Selbstwirksamkeit
Das Überwinden der erwähnten Stolpersteine erfordert, diese zu (er-)kennen und eine umfassende Selbstwirksamkeit zu entwickeln, um „die Lücke zwischen ‚denen da unten‘ und ‚denen da oben‘“ zu schließen.
Die Machtfrage
Jan-Werner Müller beschreibt einen Widerstand in Parteiendemokratien gegen deren Weiterentwicklung so: „Warum sollten Parteien solchen Verfahren je zustimmen? Denn damit würden sie sich ja selbst entmachten.“ („Freiheit, Gleichheit, Ungewissheit“, 2021, S 193)
Ins Handeln kommen
Reden wir darüber, was es braucht, um den Weg zu einer friedensfördernden partizipativ-repräsentativen Demokratie gemeinsam und ambitioniert zu gehen. Hier die Einladung von der KAB Steiermark zu Impuls, Austausch und Diskussion am Donnerstag, 21. Mai 2026 im Pfarrsaal St. Andrä in Graz. Thema: „Demokratie stärken – jetzt!„

Anmerkungen
Nach Ansicht der KI Gemini sind die hier vorliegenden Überlegungen für die Durchführung einer Demokratiekonferenz ein „Labor“, in dem die von Jürgen Habermas postulierten Geltungsgründe praktisch erprobt werden (können). An Ideen dafür mangelt es nicht, wie zB: Bundesrat als Bürgerrat als zusätzliche Kontrolle im Sinne des Gemeinwohls, lebendige Mitentscheidungskultur u. v. a. m., wohl eher am Mut für deren Umsetzung (siehe Tamara Ehs oben).
Interessant, dass nach Jahrhunderten der Aufklärung die Selbstverständlichkeit des Ganzheitlichen einer griechischen Ekklesia auch in der akademischen Welt wiederentdeckt wurde. So schreibt Robert Misik im Nachruf über Jürgen Habermas: „Der scharfe Fürsprecher der säkularen Vernunft versöhnte sich am Ende sogar mit dem Religiösen. Er vermutete, dass die alttestamentarische Lehre von der Gottesebenbildlichkeit des Menschen die vorpolitische Grundlage für die Menschenrechte sei.“
Die KI Claude weiß dazu mehr und verknüpft in ihrer Zusammenfassung ungefragt wie folgt:
„Die partizipativen Initiativen, die du versammelst, interessieren sich nicht zufällig für das Format der Begegnung — das Format ist bereits ein politisches Statement. Das Bildungshaus als Begegnungsort, das Losverfahren, die offene Diskussion: All das sind Versuche, genau jenes ganzheitliche Moment wiederherzustellen, das die repräsentative Demokratie strukturell ausgeblendet hat.“
Um das friedensfördernde Potenzial starker Demokratien heben zu wollen braucht’s allerdings noch mehr. Die bisherigen Überlegungen sind dafür erst ein Anfang.

„Niemand dürfe erniedrigt werden, egal, wann der Mensch gelebt habe. Wer die Möglichkeit habe, etwas daran zu ändern, sollte es tun. …, wir sind verpflichtet es zu tun, es wenigstens zu versuchen, nichts ist anstößiger als die Gleichgültigkeit gegenüber einem Unrecht, das sich aus der Welt schaffen ließe.“
Ilija Trojanow, Tausend und ein Morgen, 2023, S 48






Ergänzend ein oben unerwähnt gebliebenener Grund für den Druck, unter den die meisten Demokratien geraten sind: Repräsentationsdefizit im Bereich der parlamentarischen Volksvertretung.
Starke Demokratien hingegen kennzeichnet die „ganze Vielfalt“ in den Parlamenten. Damit sind sie weit bunter als Parteiendemokratien mit ihren „Teilgesellschaften“ (ein Begriff, den J.-J. Rousseau in seinem Gesellschaftsvertrag für Parteien verwendete).
Erfahrungen, die im Zuge des Klimarates gemacht wurden, zeigen deren (potentielle) Entscheidungsqualität. Mit anderen Worten: eine starke, sprich: partizipative Demokratie wirkt Frieden fördernd und auch klimaschützend.
Rutger Bregman: „Ich glaube, wir brauchen diesen doppelten Crunch von unten und von oben – wenn Grassrouts-Bewegungen und Eliten zusammenarbeiten. […] Sklavenrevolten in Jamaika […] Abolitionisten in England […] So entzündet sich eine moralische Revolution.“ (vgl. Gibellina weiter unten)
Ad Jakobiner:innen: die gegen Klerus und Aristokratie erfolgreiche Bourgeoisie schützte „sich gleichzeitig gegen jede Erhebung des Volkes […], die gegen die von ihnen aufgestellte Ordnung gerichtet wäre. Das ist der Grund für zahlreiche Widersprüchlichkeiten in der ‚Erklärung‘ [der Menschenrechte]. Artikel I verankert die Gleichheit aller Menschen; aber er ordnet die Gleichheit der gesellschaftlichen Nützlichkeit unter; ausdrücklich anerkannt wird nur die Gleichheit vor der Steuer und vor dem Gesetz im Artikel 6; die aus dem Reichtum enspringende Ungleichheit bleibt unantastbar.“ (Albert Soboul)
Vorbild Berlin: Parteilose Senatorin für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt, Sarah Wedl-Wilson, eröffnet die Demokratiekonferenz. Zudem ist sie „die erste Senatorin in der Geschichte Berlins ohne deutsche Staatsangehörigkeit.“
„Dass die Stimmen in den Parlamenten einen ‚Oberklassenakzent‘ haben, ist nichts Neues; die Schar der Abgeordneten hat noch nie repräsentativ die Bevölkerung abgebildet.“ (Carolin Amlinger/Oliver Nachtwey bezugnehmend auf Elmer E. Schattschneider, zit. n. Schäfer/Zürn; in: Zerstörungslust, S 82)
„Wer wirklich etwas ändern will, geht an die Wurzel“ und kämpft gegen soziale Ungleichheit: „Für zahlreiche Protestwähler/-innen ist die Unterstützung rechtspopulistischer Parteien möglicherweise weniger eine Entscheidung aus Überzeugung als vielmehr ein Weg, um mit dem Gefühl der Benachteiligung umzugehen und ein deutliches Signal an die etablierten politischen Kräfte zu senden.“ (Ralf Julke in seiner Rezension zu „Rechtsextremismus bekämpfen. Was sagt die Wissenschaft“, Katapult Verlag, 2025)
Deshalb Demokratie stärken – jetzt: Nationalismus und Autoritarismus verstärken sich gegenseitig. Starke demokratische Institutionen sind eine Schutzstruktur. Partizipative Formate wie zB die Bürgerbeteiligung in Vorarlberg reichen nicht., da braucht’s noch mehr zur Beseitigung der Schatten von Parteiendemokratien.
Praxisbeispiele: Schools of Participation, Bonn macht mit, Demokratie-Fitness Training, Seminar: Grundlagen der Beteiligung und Mitwirkung, Engagiert euch!, …
Grundsätzliche Überlegungen dazu: Vom Interesse zur Mitverantwortung: Wie Engagementinfrastruktur Demokratie vor Ort ermöglicht, …
Kongress in Berlin 2026: Gesundheit ist politisch > Armut lässt sich effektiver durch die Bekämpfung ihrer Ursachen verringern, indem partizipative Demokratien gestärkt werden, statt lediglich die Symptome zu kurieren.
Diagonale: „Und in der Mitte : Ein Wirtshaus“
Transformation ist die Revolution, nicht Repräsentation: „Die Bevölkerung Namibias zeigt oft mehr Offenheit, als die politische Rhetorik vermuten lässt. Die Elitenpolitik neigt jedoch zunehmend zu populistischem Moralismus. Die Menschen in Namibia sind nicht ‚homophob‘ oder gegen ’sexuelle und reproduktive Rechte‘ – wohl aber unsere Politiker. Und genau hier ist ein Wandel notwendig, nicht nur bei der Repräsentation.“
Die sizilianische Hauptstadt für zeitgenössische Kunst 2026 – Gibellina – zeigt die Bedeutung des Miteinander, wobei: „Das Paradoxe – und daher auch vieldiskutierte – an Gibellina ist, dass diese Partizipation zugleich von oben gesteuert war: [der Bürgermeister] Corrao holte die Künstler, nicht die Bevölkerung entschied, was gebaut wurde.“ Zu vermuten ist, dass ein gelingender transformativer Akt auch Sommersonnen wie Ludovico Corrao als vermittelnde Figuren braucht. Bei näherer Betrachtung jedoch treten neue Fragen auf: „Kann stellvertretendes Handeln je wirklich ermächtigen – oder perpetuiert es strukturell die Abhängigkeit, die es überwinden will?“ Dazu Claude: „Gibellina zeigt, was vom aufgeklärten Bürgermeister-Modell übrig bleibt, wenn die sozioökonomischen Bedingungen fehlen, unter denen es in eine echte Selbstermächtigung hätte übergehen können. Es ist das Modell in seiner reinsten und tragischsten Form.“
Fazit nach weiteren Überlegungen zur Stärkung der Demokratie: „Van Reybroucks System verringert wahrscheinlich tatsächlich die gefühlte Notwendigkeit zur Revolution – und das ist sein erklärtes Ziel. Ob es auch ihre strukturelle Notwendigkeit verringert, hängt davon ab, ob man politische Konflikte primär als epistemische oder als antagonistische Phänomene versteht. Für die erste Kategorie ist es überzeugend; für die zweite bleibt die permanente Möglichkeit zur Revolution unersetzbar – nicht als Drohung, sondern als Korrektiv gegen die blinden Flecken jedes noch so gut konzipierten repräsentativen Systems.
Gibellina bleibt dann das treffende Bild: Ein System kann schön, klug und gut gemeint sein – und dennoch an dem scheitern, was sich keiner Institutionalisierung ganz fügt.“
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Inwieweit wirken partizipativ-repräsentative Demokratien international konfliktvermeidend?
Partizipativ-repräsentative Demokratien verbinden die institutionelle Stabilität repräsentativer Systeme mit erweiterten Beteiligungsmöglichkeiten der Bürgerinnen und Bürger. Es stellt sich die Frage, ob diese Kombination nicht nur innenpolitisch befriedend wirkt, sondern auch zur Vermeidung internationaler Konflikte beiträgt. Grundsätzlich lässt sich festhalten, dass solche Systeme ein erhöhtes Potenzial zur internationalen Konfliktvermeidung besitzen, dieser Effekt jedoch an bestimmte Bedingungen gebunden ist.
Ein zentraler theoretischer Bezugspunkt ist die Theorie Demokratischer Frieden, die davon ausgeht, dass Demokratien untereinander seltener kriegerische Konflikte austragen. Partizipative Elemente können diesen Effekt verstärken. Durch stärkere Bürgerbeteiligung steigt die politische Rechenschaftspflicht von Regierungen, insbesondere in Fragen von Krieg und Frieden. Militärische Interventionen müssen breiter legitimiert werden, was die Hemmschwelle für aggressive Außenpolitik erhöht. Insofern wirkt Partizipation als zusätzlicher „Filter“, der impulsive oder einseitige Entscheidungen erschwert.
Darüber hinaus fördern partizipative Strukturen eine politische Kultur des Dialogs und der Kompromissfindung. In Anlehnung an deliberative Demokratietheorien, etwa bei Jürgen Habermas, wird argumentiert, dass öffentliche Diskurse auf Verständigung und rationale Abwägung ausgerichtet sind. Diese normativen Orientierungen können sich auch auf die Außenpolitik übertragen, indem Staaten eher auf Verhandlungen, multilaterale Lösungen und internationale Kooperation setzen. Entsprechend zeigen partizipativ geprägte Demokratien häufig eine stärkere Einbindung in Organisationen wie die Vereinten Nationen oder andere multilaterale Institutionen, die ihrerseits konfliktregulierend wirken.
Ein weiterer friedensfördernder Faktor liegt in der transnationalen Vernetzung von Zivilgesellschaften. Nichtstaatliche Akteure, wie NGOs oder soziale Bewegungen, agieren häufig grenzüberschreitend und tragen dazu bei, Konflikte frühzeitig zu thematisieren und politische Lösungen einzufordern. Dadurch wird internationale Politik nicht ausschließlich auf staatlicher Ebene entschieden, sondern in breitere gesellschaftliche Kommunikationsprozesse eingebettet.
Kritische Anmerkungen
Allerdings sind die konfliktvermeidenden Effekte partizipativ-repräsentativer Demokratien nicht zu überschätzen. Erstens gilt der demokratische Frieden primär zwischen Demokratien selbst. Gegenüber autoritären Staaten können auch demokratische Systeme sicherheitspolitisch konfrontativ oder interventionistisch handeln. Zweitens kann Partizipation selbst konfliktverschärfend wirken, wenn öffentliche Meinungen nationalistisch oder populistisch mobilisiert werden. In solchen Fällen erhöht breite Beteiligung nicht die Friedensneigung, sondern kann außenpolitische Spannungen verstärken. Drittens bleibt internationale Politik von strukturellen Faktoren wie Machtasymmetrien, wirtschaftlichen Interessen und geopolitischen Rivalitäten geprägt, die auch durch demokratische Verfahren nicht vollständig aufgehoben werden können.
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass partizipativ-repräsentative Demokratien durchaus ein erhöhtes Potenzial zur internationalen Konfliktvermeidung besitzen, insbesondere durch gesteigerte Legitimation, deliberative Entscheidungsprozesse und stärkere internationale Kooperation. Dieser Effekt ist jedoch kontextabhängig und entfaltet sich vor allem im Zusammenspiel mit anderen demokratischen Staaten sowie stabilen internationalen Institutionen. Partizipation erweitert somit die friedensfördernden Eigenschaften der Demokratie, garantiert jedoch keinen universellen Frieden.
Quelle: https://chatgpt.com/s/t_69cd5022d93c8191a308b84db24e1a66
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