Auf der Suche nach einem gerechteren Wirtschaftssystem

Nach den ersten Gehversuchen seit dem Tag der Arbeit im Jahr 2003 schien mir im Sommer 2006 die Idee eines oekosozialen Marktes (Archivdateien vom 17.2.2017) der richtige Ansatz zu sein, um ein gerechteres Wirtschaftssystem zu etablieren. Kleine bis mittelgroße Unternehmen als Vertreter der Mitte der Gesellschaft gewähren ihren Kundinnen, Gästen oder Klienten Preisnachlässe, die diese mit sozialen Einrichtungen fair teilen. Anläufe von verschiedener Seite hat es diesbezüglich bereits einige gegeben, doch bis auf animalfair.at ist kaum ein Versuch erfolgreich gewesen. Zumeist deshalb, weil der Gedanke nach monetärem Profit an erster Stelle gestanden ist.

Die Erfolge der Regionalwährung Chiemgauer hingegen zeigen allerdings, dass nicht der monetäre, sondern der ideelle Gewinn an Gemeinwohloptimierung als Leitgedanke dienen sollte:

chiemgauer-statistik

Sehr spät erst – genauer: 10 Jahre danach – ist mir klar geworden, dass philanthropisches Verhalten nicht ausreicht, um systemisch fairändernd zu wirken. Dazu bedarf es einer kritischen Öffentlichkeit ebenso, wie der Existenz starker, weil gebündelter Kräfte aus der Mitte der Gesellschaft, quasi als Gegenmacht zu erfolgreichen politischen Einflüssen für Wenige. Eine wache Zivilgesellschaft ist bereits sehr aktiv und setzt diesen partikularistischen Interessen Grenzen. Doch es gibt auch Bereiche in den Wohlfahrtsstaaten, die ich in psychologischer wie system(theoret)ischer Hinsicht als Black Box bezeichnen möchte. Streetworker, Sozialarbeiter*innen oder Selbsthilfegruppen nehmen sich der Betroffenen gerne an und teilen zumeist ihr Schicksal oder sind zumindest nahe bei ihnen. Diese Nähe spüren Berufspolitiker*innen kaum und wehren als erste Reaktion (Macht-)Ansprüche der Zivilgesellschaft zumeist reflexartig ab. Ausnahmen bestätigen auch hier die Regel.

Was können wir tun?

Um vom Rand der Gesellschaft in die Mitte zu gelangen, sind auch Anstrengungen von uns selbst (ja, wir ALLE sind gemeint!) und durch unsere Nächsten erforderlich. Einerseits zähle ich dazu institutionalisierte Angebote wie Umschulungen, Ausbildungen oder (marktkonform) bezahlte Praktika. Doch andererseits sind diese nicht genug, um abseits nachhaltigen Wirtschaftswachstums die Arbeitsmärkte leer zu räumen, sprich: diese zur Vollbeschäftigung zu führen.

Um die damit verbundenen Aufgaben bewerkstelligen zu können, könnten Formate wie regionale Kulturpreise oder ein Parlament der Arbeit Suchenden gute Dienste leisten. Wir sind somit aufgerufen, durch unser Handeln ausgleichend zu wirken. Gleichzeitig setzen wir damit einen Schritt zur Stärkung glücklicherer Menschen.

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