Gegenmacht

2017_karte_politische-macht

„In seinem Buch ‚Der amerikanische Kapitalismus im Gleichgewicht der Wirtschaftskräfte‘ (‚American Capitalism‘) schrieb er Anfang der fünfziger Jahre auf, wie wenig die Wirklichkeit mächtiger Konzerne seines Erachtens mit der Theorie vollkommener Märkte zu tun hatte. Das System funktioniere nur, weil die Industriegiganten auf eine Gegenmacht in Form von Gewerkschaften und anderen gesellschaftlichen Gruppen treffen. Wo dieser Gegenpol nicht zustande komme, müsse der Staat einspringen und selbst das Gleichgewicht der Kräfte wiederherstellen.“

Uwe Jean Heuser im Vorwort zu: Die Ökonomie des unschuldigen Betrugs von John Kenneth Galbraith, S 15

Als humane (Staats-)Wesen sind wir eingebettet in kulturell inspirierte und zum Teil in Gesetzen ausgedrückte soziale Landschaften. Diese werden bestimmt durch gesellschaftliche Kräfte, auf die wir gestaltend Einfluss nehmen können und – mitunter – auch sollten! Wissend um die „Ungleichheitswende“ (Sir Anthony B. Atkinson) in den 1980er-Jahren liegt es an uns, sich regional bis weltweit dafür e2017-02-03_sozialfeld-nach-bourdieu_vereinfacht_blog-arbeit-wirtschaftinzusetzen, die seither blühende und krank machende Ungleichheit auf das bereits erprobte Niveau (davor) zu heben.

Eine „gerechte Steuerpolitik“ und eine „Bildungspolitik für mehr gesellschaftlichen Zusammenhalt“ sind nur zwei der möglichen Schritte auf unserem Weg, Armut und prekäre Lebensverhältnisse erfolgreich zu bekämpfen. Damit können auch drohende oder bereits vorhandene „gesellschaftliche Bruchlinien“ reduziert werden – u. a. aus diesem einfachen Grund: weil vielen bisher Benachteiligten mehr Perspektiven bei ihren Entscheidungsfindungen eröffnet werden. So bietet eine reguläre Anstellung auf dem ersten Arbeitsmarkt für rund die Hälfte der zuvor Erwerbslosen einen Schritt aus der Armut.

2017-03-18_zeitzeichen_S-11_ILO_Arbeitsmarkt-aktiv-gestalten_gesetzl-hoheit-bei-nationalstaaten
Die FAIRteilungsmacht liegt in den Händen der Nationalstaaten

Doch die MACHTverhältnisse auf den Arbeitsmärkten sprechen gegen Erwerbslose und prekär Beschäftigte. Atkinson formuliert dies so:

„In erheblichem Maße erwächst das Marktergebnis gegenwärtig aus der Verhandlungsmacht der verschiedenen Teilnehmer. Wenn Menschen auf Null-Stunden-Verträge ohne Lohngarantie eingehen, so deshalb, weil sie auf dem Arbeitsmarkt machtlos sind. Wie erwähnt, müssen wir Vorkehrungen treffen, um ein gerechtes Machtgleichgewicht zwischen den Parteien solcher Verhandlungen herzustellen – mit anderen Worten, wir müssen die Gegenmacht der Verbraucher und Arbeitnehmer stärken.“ (Ungleichheit, S 191)

Am sinnvollsten wird es sein, wenn die Betroffenen sich organisieren und selbst stärken. Ein „Parlament der Arbeit Suchenden“ oder „ZivilFAIRsammlungen“ als Ergebnis überregionaler Kooperation von Kulturpreisträger*innen könnten diesbezüglich wesentliche Beiträge leisten.

2017-01-26_konsent-kulturpreis_konzernlobbyismus-rat-fuer-buergerbeteiligung

„Der Glaube, letztlich hätten die Eigentümer das Sagen, hat sich indes bis heute gehalten. Auf den Hauptversammlungen erhalten die Aktionäre Informationen zur Geschäftsentwicklung, Ertragslage, künftigen Unternehmensstrategie und zu vielen weiteren Sachthemen. Vieles davon ist bereits bekannt. Ein solches Aktionärstreffen gleicht einem baptistischen Gottesdienst. Die Herrschaft der Manager wird in keiner Weise geschmälert; dazu gehört auch, dass sie ihre Vergütung in Form von Barbezügen oder Aktienbezugsrechten weitgehend nach eigenem Belieben festsetzen.“

John Kenneth Galbraith, in: Die Ökonomie des unschuldigen Betrugs, München: Pantheon, März 2007, 1. Aufl., S 78


Weiterlesen

Uwe Jean Heuser: Unschuldiger Betrug

Forderungen der International Labour Organization (ILO) in ihrem World Employment and Social Outlook (WESO) 2016 – Transforming jobs to end poverty

In Brüssel regieren nicht mehr die klassischen LobbysAnmerkung: Die Nachhaltigkeit dieses Trends steht jedoch weiterhin auf dem Prüfstand und erfordert daher auch in Zukunft Maßnahmen zur weiteren Stärkung der Zivilgesellschaft

Das Wendejahr 2017 begann vielversprechend: Wer Menschenrechte verletzt soll büßen

2017-12-23_SN_gute-nachrichten_schweden-probiert-den-sechsstundentag

Unsere Impulse FAIRändern Wirtschaft

2017-02-09_unsere_impulse-fairaendern-wirtschaft

Die Einladung zum Gespräch am 1. kfb-Impulstag ist für mich ein willkommener Anlass, um diese Frage erneut zu stellen: Wie kommen wir zum Handeln?

Davor sollten wir allerdings Erfahrungen sammeln wie zB jene aus der Geschichte der Wirtschaft in Gemeinschaft (WiG): den von Chiara Lubich beschriebenen Weg des Verschenkens eines Großteils der mühsam erworbenen Gewinne gehen allerdings nur wenige.

Im Vorwort des auf den WiG-Erkenntnissen basierenden Buches „Zivilökonomie“ finden wir erste theoretische Ansätze: die breiteste Wirkung erzielen wir durch den Auf- und Ausbau „äußerer gerechter Zustände“, sprich ausgleichender Strukturen. Das selbe Werk gibt uns auch einen konkreteren Hinweis zum Handeln: ein vom weniger solidarischen Preiswettbewerb wegführender SOLIDARITÄTS-Wettbewerb fördert diese „strukturellen Neuerungen„, die erforderlich sind, um Wirtschaft auf breiter Ebene zu FAIRändern.

2017-02-22_ehemaliger-header-auf-twitter_regionale-wirtschaftsstrukturen-fuer-generationen_mit-schallenberg-zitat

Die genannten Beispiele versuchen, konkrete wirtschaftliche Abläufe enkeltauglicher zu gestalten. Da eine nachhaltige Wirtschaft allerdings nicht ohne Rahmenbedingungen „funktioniert“, sind diese bei unseren Überlegungen zu berücksichtigen, wenn es uns darum geht, wirtschaftliche Aktivitäten (laufend) zu fairbessern*. Beginnen wir unser Experiment** zur Begrenzung struktureller Ausgrenzung und zur Förderung des Ausgleichs von Interessen mit der Initiierung eines Kulturpreises aus der Mitte der Gesellschaft. Welche Überlegungen stellen Sie dazu an?

Danke!


*| Um langfristig attraktiv zu sein für Interessierte an bürgerlicher Gegenmacht, sollten wir eine Anleihe nehmen bei Hermann Hesse und versuchen, „lebendig“ zu bleiben. Andernfalls wird das Glasperlenspiel „als zopfisches Relikt aus der Vergangenheit empfunden“. Dazu Hesse resümierend: „… wie rasch wäre es da mit dem Spiel und mit uns zu Ende!“.

**| Das von Don José María Arizmendiarrieta als „dritter Weg“ konzipierte Genossenschaftsmodell Mondragón in der gleichnamigen Kleinstadt im Baskenland hatte sich selbst jahrzehntelang als Experiment bezeichnet.

2017-03-24_Postkarte_vom-KULTURpreis-zur-ZivilFAIRsammlung

Alles begann …

… mit dem Vertrauen in EIN GUTes Gesamtwerk

Damit unsere gemeinsame Welt auch weiterhin GUT wächst, müssen wir daraUNSER-Solidaritaetswettbewerbuf vertrauen, dass VIELE GUTE Werke uns darin bestärken, INNEN mit AUßEN so zu verbinden, dass daraus tragfähige Gemeinschaften entstehen. Wo es allerdings zunehmend um Preise (Gewinne) geht, ist das GUTE in Gefahr (ausgebeutet zu werden). Mit unserem Vertrauen als gemeinsame Währung können wir dem entgegen wirken und individuelle wie regionale Wachstumsimpulse setzen. Uwe Lübbermann: „Die Kunst sei es, ein Kollektiv aus unterschiedlichen Leuten so zu moderieren, dass am Ende ein tragfähiges Ergebnis herauskommt.“

 Chiemgauer-Statistik_2003-2014_min

Dadurch gewinnen regionale Unternehmen

ebenso wie unsere Gesellschaft insgesamt

2016-07-20_wachstum-im-wandel_Sozialer-Frieden_BevExp_Frage1_Sicheres_Lebensumfeld

Bildtext: Dem Wunsch nach einem höheren Wirtschaftswachstum kann vorübergehend (!) auch aus der Sicht nachhaltigen Wirtschaftens entsprochen werden, nämlich dann, wenn in FAIRbesserungen aus umwelttechnischer oder sozialer Sicht investiert wird. Dies kann durch eine ökosoziale Steuerpolitik (siehe Zukunftsbudget) unterstützt werden.


Denn der durch eine OEKOnomie des Vertrauens initiierte Solidaritätswettbewerb fördert strukturelle Neuerungen, die weniger nachhaltige Business-Kulturen ablösen und negative Auswirkungen der Globalisierung einschränken können.

 

2016-07-15_esc_yoko-ono_peace-industry_hell-und-gruen

Eine GÜTEgemeinschaft setzt auf FAIRtrauens-Botschafter*innen zwecks gemeinsamen Gestaltens unserer Welt.

Gestalten wir gemeinsam Arbeit + Leben nachhaltig!

Im Sinne unseres Positionspapiers „Den Wandel gestalten: Arbeit und Leben neu denken„, das wir als KABOE am 15. 3. 2014 in Linz beschlossen haben, laden wir dich/euch ein, mit uns den Weg einer Tätigkeitsgesellschaft zu gehen. Wenn auch du eine Form des wirtschaftlichen Miteinander fördern möchtest, das die Freiheit des Einzelnen in den Vordergrund stellt, dann informiere dich hier.