Auwaldgasse 67

Denn wer bittet, der empfängt; wer sucht, der findet; und wer anklopft, dem wird geöffnet. (Mt 7,8)

Am Schluss ihres Büchleins Mein kleines Schmetterlingsbuch schreibt die deutsche Blumen- und Tiermalerin Mila Lippmann-Pawlowski: “Lernst du die Schönheit im Kleinen sehn, wirst du des Schöpfers Größe verstehn.”

Darstellung des Apollo-Falters auf Seite 36 in “Mein kleines Schmetterlingsbuch” von Mila Lippmann-Pawlowski

Angesichts der verschiedenen Zufälle, die uns im Leben begleiten – siehe beispielsweise Birgit Jankovic-Steiner oder Peter Rosegger – und bei ihrer Beachtung dieses mitunter mitgestalten, frage ich mich eher, zu welcher Größe wir befähigt werden als Kinder dieser Welt, sofern wir in sie entsprechend eingebettet sind. Einer Welt, in die wir ungefragt hineingeboren werden, die uns immer wieder fordert und – hoffentlich – beglückt.

Hineingeboren in eine Kellerwohnung eines Arbeiterehepaars in Graz-Liebenau, waren die Aussichten auf ein glückendes Leben nicht die rosigsten. Zudem verlor ich im Alter von zweieinhalb Jahren aufgrund einer Darmgrippe die Hälfte meines Körpergewichts und nur dank eines Arztwechsels konnte ich überleben. Jahre später schenkte mir dann Frau Dr. Hildegard Sekol dieses kleine Schmetterlingsbuch einer Malerin, die mit dem Verleger und Sudetenländer Herbert Pawlowski verheiratet war.

Die Flucht der Pawlowskis nach Kitzbühel sowie die Vertreibung (Absiedlung) meines Vaters und seiner Familie aus dem Sudetenland legen es nahe, diese Schicksale zu vergleichen.


Der Vergleich sei vielmehr die Grundlage politischer Urteilskraft, so Münkler, auf die Demokratien existenziell angewiesen sind.

Gwendolin Lehnerer in ihrer Rezension zu Herfried Münklers „Macht im Umbruch“


Ob „wilde Vertreibung“ oder „Absiedlung“, in beiden Fällen waren Gewaltakte auf unterschiedlichen Ebenen politischen Geschehens wirksam. Die negativen Folgen für die Betroffenen können ebenso traumatisieren wie ein weitaus schrecklicheres Leid, das Menschen im Zuge kriegerischer und nationalistischer Auseinandersetzungen erleben. Wir müssen keine Nähe dazu verspüren, doch allein der Hinweis von Primo Levi, wonach „es wieder geschehen [kann]“ sollte ausreichen, um die Verantwortung dafür wahrzunehmen, sich Demokratie stärkend und Frieden fördernd zu engagieren.

Außenfassade des Stieglerhauses in St. Stefan ob Stainz mit dem bekannten Zitat des italienischen Schriftstellers, Chemikers und Überlebenden des Holocaust Primo Levi.

Kurt Remele zitierte in „Es geht uns allen besser, wenn es allen besser geht“ (2021) Carola Rackete, die „im Juni 2019 mediale Aufmerksamkeit [erweckte], als sie mit einem Rettungsschiff, auf dem sich 40 aus dem Mittelmeer geborgene Flüchtlinge befanden, trotz Verbotes der italienischen Behörden im Hafen der Insel Lampedusa anlegte. ‚Wir müssen aufhören, auf andere zu hoffen,‘ ist in ihren Reflexionen zu dieser Aktion zu lesen, ‚und stattdessen selbst handeln.‘ Für viele gläubige Menschen zählt zu diesen anderen, auf die sie ihre Hoffnung setzen, der allmächtige und barmherzige Gott. Doch so, wie es eine ‚billige Gnade‘ gibt, die Dietrich Bonhoeffer scharf kritisierte, so gibt es auch eine ‚billige Hoffnung‘: Gott werde alles zu einem guten Ende führen, wenn wir auf ihn hoffen, unsere Hände dreimal am Tag falten und für die restliche Zeit in den Schoss legen.“ (S 152)

Vergleichbar dazu Johannes Webhofer: „Die Verantwortung dafür tragen wir alle. Wer die Möglichkeit hat, Räume zu öffnen, Dialoge zu initiieren oder Brücken zu bauen, trägt die Verantwortung, es zu tun. Gleichgültigkeit ist keine Option.“ Wenn er daraufhin auf forschung.praxis.dialog verweist, dann fallen mir darin besonders zwei Autorinnen auf: Dorothée de Nève mit „Politische Partizipation und Orte der Begegnung“ sowie Tamara Ehs mit „Begegnung schaffen – Wie Bürgerräte die Demokratie fördern“.

In „Politische Partizipation jenseits der Konventionen“ von Dorothée de Nève und Tina Olteanu (2013) gibt es einen Beitrag von Daniel Baron: „Politische Partizipation durch Losentscheid. Ein systematisierender Typologisierungsansatz“, der mir insofern sehr sympathisch ist, weil eine partizipativere Demokratie/Gesetzgebung – im Vergleich zur Parteiendemokratie oder autokratischeren Herrschaftsverhältnissen – die Notwendigkeit zur aufwändigen Organisation von Protest weniger wahrscheinlich erscheinen lässt. Darin könnte ein präventiver Ansatz zur Vermeidung von Leid verborgen sein.

Die KI ChatGPT bietet dazu Antworten in folgendem argumentativen Essay:

Die Sehnsucht nach der starken Person – und wie Partizipation Leiden vorbeugen kann

Demokratien beruhen auf Pluralismus: Macht wird verteilt, Interessen konkurrieren, Entscheidungen entstehen im Aushandlungsprozess. Dennoch suchen Wählende immer wieder das politische Heil bei einzelnen Persönlichkeiten. Dieses Spannungsverhältnis ist kein Betriebsunfall moderner Demokratien, sondern Ausdruck einer tiefen Ambivalenz: Zwischen dem Bedürfnis nach kollektiver Selbstregierung und der Sehnsucht nach Orientierung in einer komplexen Welt.

I. Warum Personalisierung so attraktiv ist

Moderne Gesellschaften sind hochkomplex. Wirtschaft, Klimapolitik, Migration, Sicherheit – all diese Politikfelder sind durch globale Verflechtungen, Unsicherheiten und widersprüchliche Expertisen geprägt. Nach dem Soziologen Niklas Luhmann reagieren Menschen auf Komplexität mit Reduktion. Eine einzelne Person erfüllt genau diese Funktion: Sie bündelt Verantwortung, verkörpert Richtung und ermöglicht Identifikation.

Hinzu kommt, was Max Weber als „charismatische Herrschaft“ beschrieben hat: In Krisenzeiten wächst die Bereitschaft, Führung als außergewöhnliche persönliche Qualität zu interpretieren. Die starke Figur verspricht Entscheidungskraft dort, wo pluralistische Verfahren als zäh und kompromisshaft erlebt werden.

Auch mediale Logiken verstärken diese Tendenz. Politik wird über Gesichter erzählt, Konflikte personalisiert, Erfolge und Misserfolge zugeschrieben. Der Pluralismus der Entscheidenden bleibt abstrakt; die Einzelperson wird konkret.

Doch die Attraktivität der Personalisierung ist zugleich ihr Risiko: Wird politische Hoffnung ausschließlich an Individuen gebunden, schrumpft das Vertrauen in Institutionen. Enttäuschung schlägt dann schnell in Systemzweifel um.

II. Das Leiden, das aus Ohnmacht entsteht

Politisches Leiden ist nicht nur physischer oder ökonomischer Natur. Es umfasst auch:

  • das Gefühl, nicht gehört zu werden,
  • die Erfahrung institutioneller Ignoranz,
  • das Erleben struktureller Ungleichheit,
  • das Gefühl kollektiver Demütigung.

Wenn Bürgerinnen und Bürger den Eindruck gewinnen, politische Prozesse liefen über ihre Köpfe hinweg, entsteht ein Gefühl demokratischer Ohnmacht. Diese Ohnmacht kann sich in Radikalisierung, Zynismus oder Rückzug äußern.

Die Sehnsucht nach der starken Person ist daher oft weniger autoritäre Versuchung als vielmehr ein Symptom: Sie signalisiert ein Defizit an wahrgenommener Wirksamkeit im pluralistischen Verfahren.

III. Wie partizipative Demokratie präventiv Leiden mindern kann

Partizipative Demokratie zielt nicht primär auf schnellere Entscheidungen, sondern auf frühzeitige Einbindung. Gerade darin liegt ihr friedens- und leidenspräventives Potenzial.

1. Anerkennung statt Marginalisierung

Wer beteiligt wird, erfährt symbolische Anerkennung. Politische Beteiligung signalisiert: Deine Perspektive zählt. Anerkennung reduziert Ressentiment, bevor es sich verfestigt.

Deliberative Theoretiker wie Jürgen Habermas betonen, dass legitime Entscheidungen aus diskursiver Verständigung hervorgehen. Wird dieser Anspruch institutionell eingelöst – etwa durch Bürgerräte oder partizipative Haushalte –, entsteht ein Raum, in dem Konflikte argumentativ verarbeitet werden können, statt sich destruktiv aufzustauen.

2. Frühwarnsystem für soziale Spannungen

Partizipative Verfahren wirken wie Sensoren. Sie machen Unzufriedenheit sichtbar, bevor sie eskaliert. Politische Systeme, die kontinuierlich Rückkopplung erhalten, können:

  • Fehlentwicklungen korrigieren,
  • soziale Ungleichgewichte erkennen,
  • Polarisierung frühzeitig entschärfen.

Leiden wird so nicht nur kompensiert, sondern präventiv reduziert.

3. Selbstwirksamkeit statt Abhängigkeit

Wer politisch mitwirkt, erlebt Selbstwirksamkeit. Dieses Erleben wirkt dem Bedürfnis entgegen, Erlösung von außen zu erwarten. Die Logik verschiebt sich:

Nicht „Er oder sie wird es richten“,
sondern: „Wir tragen Verantwortung.“

Partizipation transformiert politische Subjekte von Zuschauenden zu Mitgestaltenden.

4. Geteilte Verantwortung senkt Enttäuschungsrisiken

Wo Verantwortung kollektiv verteilt ist, kann Enttäuschung nicht total auf eine Person projiziert werden. Das reduziert die Gefahr abrupter Systemkrisen, die aus überhöhten Erwartungen entstehen.

IV. Grenzen partizipativer Prävention

Partizipation ist kein Allheilmittel. Sie kann:

  • durch ungleiche Ressourcen verzerrt werden,
  • durch populistische Mobilisierung instrumentalisiert werden,
  • durch Überforderung Ermüdung erzeugen.

Ohne rechtsstaatlichen Rahmen und Minderheitenschutz kann auch direkte Beteiligung Leiden produzieren. Präventiv wirkt Partizipation nur, wenn sie inklusiv, deliberativ und institutionell abgesichert ist.

V. Synthese: Demokratie zwischen Gesicht und Verfahren

Demokratien benötigen Gesichter. Führung, Verantwortung und Identifikation sind legitime Elemente politischer Ordnung. Doch wenn das Vertrauen in Verfahren schwindet, wird Personalisierung zum Ersatz für strukturelle Legitimität.

Eine klug ausgestaltete partizipative Demokratie kann dieses Ungleichgewicht korrigieren. Sie stärkt:

  • Anerkennung,
  • Selbstwirksamkeit,
  • Dialogfähigkeit,
  • institutionelles Vertrauen.

Dadurch mindert sie jene Formen politischen Leidens, die aus Ohnmacht, Unsichtbarkeit und Entfremdung entstehen.

Die eigentliche Alternative lautet daher nicht: Person oder Pluralismus.
Sondern: Personalisierung ohne Beteiligung – oder Führung eingebettet in geteilte Verantwortung.

Wo Bürgerinnen und Bürger nicht nur wählen, sondern mitgestalten, wird die Sehnsucht nach dem politischen Heilsbringer kleiner. Und wo Hoffnung nicht monopolisiert wird, ist das Risiko kollektiver Enttäuschung geringer.


Auf die Frage, was unter „Personalisierung ohne Beteiligung“ konkret zu verstehen ist lautet die Antwort schließlich:

Wenn Personalisierung Beteiligung ersetzt, bleibt dieses Leiden strukturell bestehen – es wird nur zeitweise überdeckt durch Hoffnung auf die „richtige“ Person.

Partizipative Demokratie wirkt dem entgegen, weil sie:

  • Selbstwirksamkeit erfahrbar macht
  • Konflikte sichtbar und bearbeitbar macht
  • politische Verantwortung verteilt

Aviso: Demokratie stärken – jetzt!

Impuls, Austausch und Diskussion. Mit Mag. Anna Hollwöger, DI Barbara Sima-Ruml in Vertretung von Vizebürgermeisterin Judith Schwentner, Pascal Günsberg, BEd MEd

DO, 21. Mai, 17:00 – 18:30

Pfarrsaal St. Andrä, St.-Andräplatz 1, 8020 Graz

„Österreich ist eine demokratische Republik. Ihr Recht geht vom Volk aus“, besagt Artikel I des österreichischen Bundesverfassungsgesetzes. Doch was heißt das in der Praxis? Welche Beteiligungsmöglichkeiten gibt es, und wie können wir sie wahrnehmen? Was wünschen wir uns von Politik, Religion oder Interessensvertretungen? Und welche Initiativen braucht es noch, damit wir demokratische Strukturen stärken können? Demokratie – das sind schließlich wir alle.

Moderation: Dr. Anna Steiner (Sonntagsblatt)

Die Veranstaltung ist kostenlos, um Voranmeldung wird gebeten unter:
anmeldung@bosolei.com oder Tel-Nr. +43 699 105 90 966.

Veranstaltet von: KAB Steiermark

Begegnungsort Demokratiekonferenz

Beitragsbild: Beteiligungsformate

Aus dem Inhalt: Weil einzelne Workshops nicht reichen … und: Ins Handeln kommen

Nach dem Aufstieg der Demokratie als friedens- und wohlstandsfördernde Herrschaftsform der Vielen, geht es zu Beginn des 21. Jahrhunderts wieder darum, sie u. a. auch via institutionalisierten Pluralismus gegen loyale Partikularinteressen zu immunisieren und zu stärken.

Dafür geeignete Maßnahmen betreffen insbesondere diese beiden Aspekte:

  • Demokratie als Alltagserfahrung und ein
  • repräsentativeres System, zB via Losverfahren.

Der Weg zu einer partizipative(re)n Demokratie ist allerdings gepflastert mit zahlreichen Stolpersteinen, die aus den bestehenden Machtverhältnissen und dem erforderlichen politischen Engagement zu ihrer Überwindung hervorgehen. Die einfache Forderung nach mehr Bildung bleibt dabei unzureichend (vgl. Armin Nassehi). Das gute Leben für alle wird zudem nicht durch einzelne Teilgesellschaften (Rousseau) wie politischen Parteien oder Religionsgemeinschaften erwirkt (siehe u. a. Repräsentationsdefizite), sondern „gemeinsam von allen für alle“, ganz republikgemäß (res publica) eben und demokratisch – zum Beispiel durch „Druck von unten“ (und „von oben„):

Mittlerweile blickt auch die Katholische Kirche – wie damals Jesus von Nazareth – über den Tellerrand hinaus und hält damit die Türen weit offen für Maßnahmen zur Stärkung der Demokratie als säkularisierte Ekklesia:

Deshalb die verschiedenen Aufrufe zu Handeln. So antwortete auch Papst Franziskus auf eine Frage des Spanischlehrers Jesús Maria Martínez: „Wir müssen uns in die Politik einmischen, denn die Politik ist eine der höchsten Formen der Nächstenliebe, denn sie sucht das Gemeinwohl. Und die Laien müssen sich in der Politik einsetzen.“ Er sprach dabei von einer „Pflicht für einen Christen!

Zudem ruft Jahrzehnte nach der ersten Armutskonferenz im Jahr 1995 die Zukunft erneut bei uns an und ersucht um eine lebendige Kultur demokratiestärkender Debatten. Beispielsweise darüber, einen Begegnungsort Demokratiekonferenz aus der Taufe zu heben. Diesen verstehe ich in Anlehnung an die (Entstehungs-)Geschichte der Armutskonferenz im Bildungshaus St. Virgil als Agora, die auch „Lust auf Teilhabe“ (Amlinger/Nachtwey, 2025) bei den Anwesenden macht. Begründung:

Weil einzelne Workshops nicht reichen …

… braucht es für transformationsbegeisterte Jakobiner:innen weitere aktivitätsfördernde Orte der Verständigung – bei Bedarf auch Abstimmung – darüber, wie Demokratien gestärkt werden können. Die Suche nach geeigneten Maßnahmen ist ein fortwährender Prozess der Erneuerung, angetrieben durch die jeweils aktuellen Herausforderungen der Zeit. Die wichtigste und zugleich schwierigste Aufgabe dabei ist wie so oft die Umsetzung der gefundenen Antworten in die Praxis. Womöglich findet sich hier die eine oder andere Anregung, die bei der Suche danach unterstützend wirkt:

Erste Utopie: Demokratiebüro

Tamara Ehs: „Es gibt genügend gute Ideen und Vorbilder. Was es dafür braucht, ist ein gewisser Mut [Anm.: vgl. Aufrufe zu Handeln], vielleicht sogar schon einen militanten Optimismus, aber jedenfalls eine konkrete Utopie. Ein Demokratiebüro wäre eine erste Utopie, wo man anfangen könnte, neue Ideen der Bürgerbeteiligung nicht dem Volk überzustülpen, sondern es selbst und gemeinsam gestalten zu lassen. Immerhin kann die Antwort […] auf die Demokratiekrise ja nur in einer umfassenden Demokratisierung bestehen.“ (Protokoll zur Enquete-Kommission „Stärkung der Demokratie in Österreich“ vom 18. Dezember 2014, S 308)

Ad Demokratiebüro: vgl. Forderungen des Österr. Netzwerks Zivilgesellschaft ÖNZ

Medikament gegen Stolpersteine: Selbstwirksamkeit

Das Überwinden der erwähnten Stolpersteine erfordert, diese zu (er-)kennen und eine umfassende Selbstwirksamkeit zu entwickeln, um „die Lücke zwischen ‚denen da unten‘ und ‚denen da oben‘“ zu schließen.

Die Machtfrage

Jan-Werner Müller beschreibt einen Widerstand in Parteiendemokratien: „Warum sollten Parteien solchen Verfahren je zustimmen? Denn damit würden sie sich ja selbst entmachten.“ („Freiheit, Gleichheit, Ungewissheit“, 2021, S 193)

Ins Handeln kommen

Reden wir darüber, was es braucht, um den Weg zu einer friedensfördernd-partizipativen Demokratie gemeinsam und ambitioniert zu gehen. Hier die Einladung von der KAB Steiermark zu Impuls, Austausch und Diskussion am Donnerstag, 21. Mai 2026 im Pfarrsaal St. Andrä in Graz. Thema: „Demokratie stärken – jetzt!

Anmerkungen

Nach Ansicht der KI Gemini sind die hier vorliegenden Überlegungen für die Durchführung einer Demokratiekonferenz ein „Labor“, in dem die von Jürgen Habermas postulierten Geltungsgründe praktisch erprobt werden (können). An Ideen dafür mangelt es nicht, wie zB: Bundesrat als Bürgerrat als zusätzliche Kontrolle im Sinne des Gemeinwohls, lebendige Mitentscheidungskultur u. v. a. m., wohl eher am Mut für deren Umsetzung (siehe Tamara Ehs oben).

Interessant, dass nach Jahrhunderten der Aufklärung die Selbstverständlichkeit des Ganzheitlichen einer griechischen Ekklesia auch in der akademischen Welt wiederentdeckt wurde. So schreibt Robert Misik im Nachruf über Jürgen Habermas: „Der scharfe Fürsprecher der säkularen Vernunft versöhnte sich am Ende sogar mit dem Religiösen. Er vermutete, dass die alttestamentarische Lehre von der Gottesebenbildlichkeit des Menschen die vorpolitische Grundlage für die Menschenrechte sei.“

Die KI Claude weiß dazu mehr und verknüpft in ihrer Zusammenfassung ungefragt wie folgt:

„Die partizipativen Initiativen, die du versammelst, interessieren sich nicht zufällig für das Format der Begegnung — das Format ist bereits ein politisches Statement. Das Bildungshaus als Begegnungsort, das Losverfahren, die offene Diskussion: All das sind Versuche, genau jenes ganzheitliche Moment wiederherzustellen, das die repräsentative Demokratie strukturell ausgeblendet hat.“

Um das friedensfördernde Potenzial starker Demokratien heben zu wollen braucht’s allerdings noch mehr. Die bisherigen Überlegungen sind dafür erst ein Anfang.

„Niemand dürfe erniedrigt werden, egal, wann der Mensch gelebt habe. Wer die Möglichkeit habe, etwas daran zu ändern, sollte es tun. …, wir sind verpflichtet es zu tun, es wenigstens zu versuchen, nichts ist anstößiger als die Gleichgültigkeit gegenüber einem Unrecht, das sich aus der Welt schaffen ließe.“

Ilija Trojanow, Tausend und ein Morgen, 2023, S 48

Demokratie auf dem Weg

Die Überlegungen von Amartya Sen, „globale Demokratie und globale Gerechtigkeit auf den Weg“ zu bringen, regen dazu an, diese mit den Gedanken von Sergi Kapanadze zu verbinden:

„Seit den Wahlen im Oktober 2024 hat Georgien eine beispiellose Erosion seines demokratischen Gefüges und seiner Institutionen erlebt. Was einst eine aufstrebende Demokratie auf dem Weg zur europäischen Integration war, ist nun fast vollständig in den Autoritarismus abgerutscht.“

Beide können als Impuls dafür dienen, sich gemeinsam und fortwährend auf den Weg zu machen, die bestehenden „Regierungen durch Diskussion“ (Demokratien) weiterzuentwickeln. Wir könnten dazu die Antworten der Künstlichen Intelligenz als erste Anregungen dafür nehmen, um diesbezüglich in Bewegung zu kommen, zB von Bobbio nach Rom.

Soziodizee oder: kollektive Selbstwerdung durch selbst gestaltete Handlungsspielräume

Auf dem Weg zu mehr Demokratie könnten wir den angestrebten kollektiven Selbstwerdungs- alias Reifungsprozess damit beginnen, in unseren jeweiligen Regionen Demokratieinitiativen zu starten und so Ansatzpunkte für politische Akteure zu bieten. Idealerweise erfolgt dies im Rahmen eines geeignete Formate integrierenden Gesamtkonzepts.

Demokratie gemeinsam stärken

Wer die Gesellschaft verändern will, verändert ihre Organisationen.
Dafür sind sie unter anderem gemacht.

Armin Nassehi

Ziel des Workshops

Dieser Workshop im Rahmen der NEFKÖ Jahreskonferenz 2025 dient der Vernetzung von zivilgesellschaftlichen Akteur:innen, die sich für die Stärkung der Demokratie durch die Förderung einer Mitentscheidungskultur und die Sicherstellung gemeinwohlorientierter Prüfungen von Gesetzen und Verordnungen einsetzen. Ziel ist es, die Zusammenarbeit in gesellschaftspolitisch herausfordernden Bereichen zu intensivieren.

Hintergrund

In einer zunehmend komplexen Gesellschaft wird es immer wichtiger, Bürger:innen stärker in politische Entscheidungsprozesse einzubinden. Klimaforscher Georg Kaser bei der Präsentation der Ergebnisse des Klimarates am 4. Juli 2022: „Und das möchte ich allen Entscheidungsträgern ans Herz legen: Sie würden um vieles weiter gehen, als es die Entscheidungsträger bisher geglaubt haben, weil sie verstanden haben, dass es notwendig ist.“ Zudem trägt politische Beteiligung wesentlich zur Stabilität eines Staates bei und fördert damit Frieden.

Werner-Wintersteiner

Zivilgesellschaftliche Institutionen spielen hierbei eine zentrale Rolle, indem sie die Beteiligung der Menschen fördern und sich dafür einsetzen, dass Gesetze und Verordnungen im Sinne des Gemeinwohls geprüft werden. Durch den Austausch und die Vernetzung solcher Institutionen können Synergien geschaffen und innovative Ansätze zur Mitentscheidung entwickelt werden, die nachhaltig zur Stärkung demokratischer Strukturen beitragen.

Inhalte des Workshops:

  • Vorstellung erfolgreicher Projekte zur Förderung der Mitentscheidungskultur
  • Diskussion über aktuelle Herausforderungen bei der gemeinwohlorientierten Gesetzesprüfung
  • Erarbeitung gemeinsamer Strategien zur Förderung der Bürgerbeteiligung
  • Austausch von Methoden und Diskussion über Möglichkeiten zur verbesserten Zusammenarbeit zwischen zivilgesellschaftlichen Akteur:innen
  • Entwicklung konkreter Maßnahmen und Projekte zur Stärkung der demokratischen Teilhabe

Zielgruppe

Der Workshop richtet sich an Vertreter:innen aus der Wissenschaft, von NGOs, Bürgerinitiativen, Stiftungen und anderen zivilgesellschaftlichen Organisationen, die sich für die Förderung der Demokratie und die gemeinwohlorientierte Gesetzesprüfung engagieren.

Erwartetes Ergebnis

Teilnehmende erhalten neue Impulse für ihre Arbeit und erarbeiten gemeinsam Strategien zur Förderung der demokratischen Mitentscheidung und Zusammenarbeit. Die Vernetzung der Akteur:innen soll langfristig zu einer intensiveren Kooperation und einem stärkeren Einfluss der Zivilgesellschaft auf politische Entscheidungen führen.

Dauer: 1 Tag


2024-10-19_sieglinde-rosenberger_aktive-zivilgesellschaft


Über Faktoren erfolgreichen zivilen Widerstands

Stefan Maaß (2013) über die „Erkenntnisse einer erstaunlichen Studie von Erica Chenoweth und Maria J. Stephan“ (2008, seit 2024 auch auf deutsch: „Warum ziviler Widerstand funktioniert„):

„Gewaltfreie Kampagnen können offener zu Aktionen aufrufen und werben. Gewaltfreie Veranstaltungen haben manchmal geradezu eine ‚Festival Atmosphäre‘. So kann es bei Demonstrationsveranstaltungen Konzerte, Straßentheater, Kabarett und Satire geben. […]

Ein weiterer Erfolgsfaktor ist die Heterogenität der Teilnehmenden. […]

Die gewaltfreie Kampagne wird effektiver, wenn sie zwischen verschiedenen Taktiken und Methoden variiert. Bei Methoden der Konzentration engagieren sich viele Menschen an einem zentralen Ort für ein gemeinsames politisches Ziel (z.B. Demonstrationen). Die Methoden der Dispersion finden an verschiedenen Orten statt und folgen eher dem Prinzip der Nichtkooperation (z.B. Boykott, Streiks). […]

Hilfreich ist die Fähigkeit zur Innovation. Wenn sich das bestehende System auf eine Taktik eingestellt hat, kann es von Vorteil sein, wenn die Kampagne schnell eine neue Taktik entwickelt. Gewaltfreie Kampagnen verfügen aufgrund ihrer vielfältigeren und größeren Teilnehmendenzahl über mehr Möglichkeiten, neue Taktiken und Ideen zu entwickeln.“

vgl. Armin Nassehi: Demokratiegeneratoren? oder Simon Teune: „Widerstand und Protest


2024-10-27_Deutschlandfunk_Tag-des-Zivilen-Ungehorsams


2024-10-27_campusdemokratie-ch_Tag-der-Demokratie-2024_Aktion-planen-Demokratie-staerken


Konzeptionelle Überlegungen

2024-12-09_Demokratie-gemeinsam-staerken_Lebendige-Orte-des-Verhandelns-als-Demokratiegeneratoren

Darin enthalten: Hinweise für eine erfolgreiche nächste (dritte?) Demokratisierungswelle

2024-12-09_Mobilisierende-Zivilgesellschaft

Resumee zum WS am 24. April 2025

Was bleibt ist die Antwort auf die Frage, wie die Gemeinschaft der Demokratiebegeisterten so stark wird, dass politische Parteien beispielsweise Forderungen, wie sie das ÖNZ bereits formuliert hat, in die politische Praxis umsetzen.

Um diese Kraft des Gemeinsamen auf dem Weg zur Stärkung der Demokratie (zB via Update) zu bündeln, braucht es Formate, die landesweit über verschiedene Ebenen zivilgesellschaftlichen Engagements begeistern und solidarisierend wirken.

Demokratien nachhaltig stärken

Wer Demokratien nachhaltig stärken will, investiert nicht in zeitlich befristete Kampagnen oder einzelne Veranstaltungen wie: partizipation.at/projekte, sondern in eine lebendige Partizipationskultur (zB: www.passegalwahl.at) mit dem Anspruch auf institutionalisierte Beteiligung in der Gesetzgebung.

Gedanken zur Tagung24

Am 17. Oktober 2024, dem Internationalen Tag für die Beseitigung der Armut, hat das Armutsnetzwerk Steiermark seine Tagung24 unter dem Motto „Wieviel Ungleichheit verträgt Demokratie?“ durchgeführt.

Wie bereits im Jahr 2019 wurde abermals das Graz Museum als Ort des Diskurses gewählt. Seit Anfang 2023 wird dieses Haus von Frau Mag.a Sibylle Dienesch geleitet und gemeinsam mit ihrem Team arbeitet sie an der „Vision eines demokratischen Museums„. Nicht verwunderlich also, dass sie in ihren Begrüßungsworten die Bedeutung von Vernetzungsarbeit hervorgehoben hat.

2024-10-17_T24_Sibylle-Dienesch_Eroeffnung
Sibylle Dienesch und Moderator Wolfgang Schlag


Neben vielen weiteren Informationen über die Wirkung sozioökonomischer Faktoren auf das Wahlverhalten und die damit einhergehende Gefährdung der Demokratie erwähnt Dr.in Tamara Ehs in ihrem Vortrag mehrmals die „ungleiche Responsivität“ der Politik auf Anliegen der Bürger*innen.

2024-10-17_T24_Tamara-Ehs_Ungleiche-Responsivitaet

Was Lea Elsässer et al. bereits in ihrer Studie aus dem Jahr 2017 für Deutschland feststellten, gilt grundsätzlich auch für Österreich und die Schweiz: „Was Bürger_innen mit geringem Einkommen in besonders großer Zahl wollten, hatte in den Jahren von 1998 bis 2015 eine besonders niedrige Wahrscheinlichkeit, umgesetzt zu werden.“ (S 177)

Ansatzpunkte für politische Akteure

Am Schluss ihres Vortrags lässt Mag.a Martina Zandonella gut erkennen, wo die Hebel zur Stärkung der Demokratie anzusetzen sind: bei der „Demokratie als Alltagserfahrung“ inkl. einer „wirksamen Mitbestimmung“ bis hin zu einer Korrektur der „Schieflagen des repräsentativen Systems“, die allein durch „mehr Beteiligungsangebote“ nicht zurechtgerückt werden können.

2024-10-17_T24_Martina-Zandonella_Demokratie-als-Alltagserfahrung

In den anschließenden Workshops wurde zu verschiedenen Aspekten vertiefend darüber diskutiert. So wurde im WS „Demokratie und soziale Ungleichheit“ nochmals erwähnt, dass „Medien verschleiern“ und die Rechtslage in Österreich hinsichtlich des Erwerbs der Staatsbürgerschaft Einbürgerung bis in nachfolgende Zuwanderungsgenerationen erschwert. Es wurde aber auch darüber gesprochen, wie sehr selbst nach 5jähriger Existenzsicherung mittels „Housing First“-Maßnahmen das Interesse an Wahlen erlahmt ist. Hinzu kommt, dass „unser System sehr hochschwellig“ ist – Beispiel: „Ausflüge in Schulen kosten sehr viel“. Wenn „stille Schüler*innen über Missbrauch schweigen“, dann wird dies als ein Ausdruck dafür gesehen, dass „innerhalb des Systems“ Betroffene „mundtot gemacht werden“.

Als sehr positiv wurde konkrete „Motivierungsarbeit“ mit den Klient*innen dargestellt, die mitunter zu einem Wahlakt führt, wo dies zuvor nicht zu erwarten war. Auch das Reden über Demokratie ganz allgemein kann das politische Interesse insbesondere bei jungen Menschen wecken. Dennoch bleibt Bildungsarbeit über das sogenannte Bildungsbürgertum hinaus „massiv mühsam“.

Am Schluss wurde noch der Vorschlag eines verpflichtenden Fact-Checkings bei Livediskussionen gemacht. Dadurch sollte vermieden werden, dass Falschinformationen leichter verbreitet werden können und dem politischen Gegenüber Redezeit genommen wird, falls von dieser Seite eine Richtigstellung erfolgt.

2024-10-17_T24_WS-Demokratie-und-soziale-Ungleichheit

Die Teilnehmenden des Workshops „Demokratie und soziale Sicherheit“ erarbeiteten die Idee einer Sozialkammer, die dann als einzige schriftliche Darstellung im abschließenden Fishbowl präsentiert wurde.

2024-10-17_T24_Sozialkammer_WS-Demokratie-und-soziale-Sicherheit

Eine letzte Wortmeldung im Fishbowl bezog sich dann nochmals auf die für eine Stärkung der Demokratie erforderliche Vernetzungsarbeit, mit dem Ziel, vergleichbare Forderungen wie jene der SOS Kinderdörfer nach Einrichtung eines Jugend-Checks für alle neuen Gesetze zu bündeln.

Gesucht: Maßnahmen für mehr Wohlbefinden durch mehr Demokratie

Unterstützung zur Überwindung von Prekarität ist gut, aber werden damit auch die strukturellen Formen der Gewalt und eine Wirtschaftsordnung, die Bevölkerungsgruppen einer nicht mehr lebbaren Prekarität aussetzt, in den Blick genommen und bekämpft?

Judith Butler, in: Die Macht der Gewaltlosigkeit, 2021, S 232

Obwohl Judith Butler die Gewaltlosigkeit präferiert, verwendet sie im erwähnten Zitat dennoch das Wort „bekämpft“. Offensichtlich ist es ihr ein besonderes Anliegen, dass Bevölkerungsgruppen nicht länger „einer nicht mehr lebbaren Prekarität“ ausgesetzt werden. Diese Sichtweise soll uns dazu motivieren, den Kampf gegen strukturelle Formen der Gewalt zu planen und zu führen. Auch wenn die Dreierkoalition in Österreich beabsichtigt, die Kinderarmut bis zum Jahr 2030 zu halbieren (S 105), sollen die bisherigen Überlegungen dazu einstweilen hier nachzulesen sein:

Aus der Volkshilfe-Broschüre Kindergrundsicherung: So schaffen wir Kinderarmut ab
2024-09-17_orf_kosten-kinderarmut_oecd-studie
2024-09-17_volkshilfe_kindergrundsicherung-locker-finanzierbar

Gleichzeitig stellt sich heraus, dass wir mit gerechteren sozialen Lebensbedingungen für alle den materiellen Wohlstand im Land mehren können. Schließlich bringt beispielsweise bereits die Investition in die Abschaffung der Kinderarmut allen Menschen in Österreich einen wirtschaftlichen Bonus von über 10 Milliarden Euro jährlich (vgl. Housing-First). Ein Grund mehr, aktiv zu sein oder zu werden, weil damit – zB via Dankbarkeit – auch das Wohlbefinden gesteigert werden kann.

2024-08-05_deutschlandfunkkultur_Parteienverdrossenheit_Simone-Weil_Abschaffung-Parteien_Gemeinwohl

Diese Fakten zeigen, dass die Parteiendemokratie nicht in der Lage ist, allein nur diesen einen Milliardenschatz zum Wohle der im Land lebenden Menschen zu heben. Ein paar Parteien mehr im Parlament würden das Problem allerdings ebenso wenig lösen wie Bildungsmaßnahmen. Damit werden wir die bestehenden Repräsentationslücken im Parlament nicht beseitigen, denn wie wir sehen, wählt selbst von den Studierenden nur ein Sechstel ihre Standesvertretung. Auch die politischen Schatten der Wahldemokratie Österreich bleiben uns weiter erhalten. In vielen anderen reichen – sogenannten „entwickelten“ – Ländern sieht die Situation nicht anders aus. Der Bedarf an einer institutionellen Weiterentwicklung der Demokratie ist daher nicht nur gegeben, ihre Förderung wird angesichts der durch Armut mitverursachten Gefährdungslage zu ihrer Überlebensfrage. Der deutsche Politikwissenschaftler und Princeton-Professor Jan-Werner Müller hält es für „unwahrscheinlich, dass man das, was manche für gute Gründe [für eine Denkzettel-Wahl] halten, ganz grundsätzlich ändern kann. Man kann jedoch die Anstrengungen unternehmen, die Institutionen und die Wahlmöglichkeiten zu ändern, mit denen sie sich konfrontiert sehen. Und das heißt unter anderem: Die kritische Infrastruktur der Demokratie zu öffnen und umzugestalten. Dazu braucht es allerdings ein klares Verständnis der Prinzipien, die der Demokratie zugrunde liegen.“ (Freiheit, Gleichheit, Ungewissheit, 2021, S 55)

2024-09-25_recampaign24_nur-zuhoeren-war-vorgestern_programm

Erwachende Zivilgesellschaft

Mittlerweile bemühen sich neben staatlichen Stellen auch zahlreiche Engagierte darum, die Gefährdungen einer unter Druck geratenen  Demokratie abzuwenden; und sie stellen Fragen, die uns mitunter dazu veranlassen, sie zu beantworten. Die folgende entstammt dem Editorial von „Stimmen gegen Armut„, dem gleichnamigen Band der 12. Armutskonferenz im Jahr 2020: „Welche neuen Formen der Partizipation ermöglichen eine gleichberechtigte Beteiligung aller gesellschaftlichen Gruppen?“

2024-09-03_Demokratie-braucht-Allianz-fuer-ein-partizipatives-Parlament

 

Demokratie braucht Allianz(en) für ein partizipatives Parlament

Hinweis: am Ende dieses > Beitrags werden einige Beispiele genannt

Begründung:
Die bloße Vermehrung von Beteiligungsformaten ist nicht zielführend

Nun, allein auf mehr Partizipation durch Bürgerbeteiligung zu setzen, greift zu kurz: „Die neuen Partizipationsangebote verlangen den Bürger:innen wesentlich mehr ab als der im Vergleich niederschwellige Wahlakt.“ (Ehs/Zandonella, 2023) Dazu sind die meisten Bürger:innen nicht bereit, weshalb „die bloße Vermehrung von Beteiligungsformaten nicht zielführend ist“. Zur „Verbesserung der Demokratie“ braucht es daher neben aktivierenden Methoden wie zB Demokratiefestivals und verschiedenen anderen Leuchttürmen auch institutionelle Vorkehrungen als Wege zum repräsentativen Parlament.

2024-09-19_ausschnitt-bild_parlament_enquete-kommission_staerkung-der-demokratie


Der Sinn eines plebiszitären Gesetzgebungsrechts besteht ja nicht darin, dass das Volk anstelle des Parlaments regiert, entscheidend sind vielmehr die Vorabwirkungen, die von diesem Recht ausgehen. Wenn die Regierenden wissen, dass das Volk eine bestimmte Materie notfalls selber an sich ziehen kann, werden sie wahrscheinlich genau dies zu verhindern suchen. Die plebiszitären Elemente führen insoweit bereits durch ihre schiere Existenz, ohne dass man sie anwenden muss, zu einer stärkeren Interessenberücksichtigung und Kompromissfindung.

Frank Decker,
in: Enquete-Kommission „Stärkung der Demokratie in Österreich„, 2014-12-18, S 124


2024-08-16_Daniel-Loick_Ueberlegenheit-der-Unterlegenen_Aufruf-zur-Teilnahme-an-gesellschaftlichen-Kaempfen
Aufruf zu handeln, statt auf „billige Gnade“ zu hoffen

Wie können wir nun dazu beitragen, eine weitere Gefährdung unserer Demokratien zu verhindern und dabei gleichzeitig unser Wohlbefinden zu steigern?

2024-08-05_Michael-Landau_Zitat-2020

Maßnahmen und Ideen gibt es viele. Zur Steigerung ihrer Wirksamkeit fehlt allerdings noch ein koordiniertes Miteinander (innerhalb) dieser beiden Ebenen: eine in den verschiedenen sozialen Schichten gelebte Mitentscheidungskultur und zielgerichtete Bündnisse der Zivilgesellschaft.

2024-12-23_Demokratie-gemeinsam-staerken_OENZ-APA-OTS-Aussendung-Demokratie

Ansatzpunkte für politische Akteure

Am 17. Oktober 2024, dem Internationalen Tag für die Beseitigung der Armut, hat das Armutsnetzwerk Steiermark seine Tagung24 unter dem Motto „Wieviel Ungleichheit verträgt Demokratie?“ durchgeführt. Am Ende ihres Vortrags ließ Mag.a Martina Zandonella gut erkennen, wo die Hebel zur Stärkung der Demokratie anzusetzen sind: bei der „Demokratie als Alltagserfahrung“ inkl. einer „wirksamen Mitbestimmung“ bis hin zu einer Korrektur der „Schieflagen des repräsentativen Systems“, die allein durch „mehr Beteiligungsangebote“ als „Ersatz für Beteiligungsrechte“ nicht zurechtgerückt werden können.

Martina Zandonella

Einen vergleichbaren Inhalt von Martina Zandonella finden wir in ihrem Referat „Demokratie und Politik“, das im stenografischen Protokoll zur parlamentarischen Enquete des Bundesrates „Demokratie braucht Zukunft – Brücken bauen, Demokratie stärken“ vom 12. November 2024 nachzulesen ist.

Anmerkung: Vgl. dazu die Inhalte der Enquete-Kommission im Nationalrat aus dem Jahr 2014. Tamara Ehs am Schluss ihrer Ausführungen: „Zusammenfassend: Es gibt genügend gute Ideen und Vorbilder. Was es dafür braucht, ist ein gewisser Mut, vielleicht sogar schon einen militanten Optimismus, aber jedenfalls eine konkrete Utopie. Ein Demokratiebüro wäre eine erste Utopie, wo man anfangen könnte, neue Ideen der Bürgerbeteiligung nicht dem Volk überzustülpen, sondern es selbst und gemeinsam gestalten zu lassen. Immerhin kann die Antwort auf die Krise und auf die Demokratiekrise ja nur in einer umfassenden Demokratisierung bestehen.“ (Protokoll zur Enquete-Kommission „Stärkung der Demokratie in Österreich“ vom 2014-12-18, S 308)

Während Antworten auf die Kulturfrage ihre nachhaltige Wirkkraft ganz besonders von unten (vgl. Klimarat) her entfalten, verstärken zivilgesellschaftliche Bündnisse diese mit dem Fokus auf politische Parteien, ohne deren Zustimmung keine institutionellen Verbesserungen unserer Demokratien auf friedlichen Wegen zu erhalten sind. Jan-Werner Müller verdeutlicht damit verbundene Widerstände, die es gemeinsam zu überwinden gilt: „Warum sollten Parteien solchen Verfahren* je zustimmen? Denn damit würden sie sich ja immer zumindest ein Stück weit selbst entmachten.“ (2021, S 193)

Lange vor Jan-Werner Müller kommt Simone Weil zu vergleichbaren Befunden und Emanuel Towfigh erlangt durch die Arbeit an seiner Habilitationsschrift diese Erkenntnis:

„Ich plädiere für eine behutsame Weiterentwicklung unserer demokratischen Ordnung. Behutsam, weil die Demokratie ein fragiles und wertvolles System ist. Wir leben zudem in Frieden und Wohlstand, wir genießen eine stabile Ordnung. Dies ist auch ein Verdienst der Parteien, die nach dem Krieg ein Stabilisator des Systems waren. Aber die Parteiendemokratie hat sich offenkundig überlebt, die Nachteile dieses Systems werden immer deutlicher sichtbar.“ (Hervorhebungen: AN)

Was ist zu tun?

Eine zunehmende Zahl an einzelnen Initiativen zur Stärkung der Demokratie macht noch kein „kluges Update“ (Tamara Ehs). Die erste Demokratiewoche des Bündnis 2025 im Oktober desselben Jahres hat eine größere Chance, dass das Thema in der breiten Öffentlichkeit wahrgenommen wird. Um allerdings die Forderungen des Österreichischen Netzwerks Zivilgesellschaft in die politische Praxis zu transformieren, dazu bedarf es noch weiterer Anstrengungen zur Planung und Realisierung eines geeignete Formate integrierenden Gesamtkonzepts.

Ohne entsprechenden Druck durch eine aktive Zivilgesellschaft würde auch ein nächster Österreich- oder Verfassungskonvent kein Update im gewünschten Ausmaß liefern.

Die Forderung nach Etablierung eines Demokratierates wirft spätestens angesichts der Erfahrungen mit den Empfehlungen des Wissenschaftlichen Beirates der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) die Frage auf, ob diese nicht zu wenig weit geht. Die politische Praxis zeigt, was möglich ist – siehe: irische Citizens‘ Assembly oder Ständiger Bürgerrat in Paris – und wie sinnvoll – Beispiel: Klimarat – konkrete Updates der Demokratie sein könn(t)en.


2023-11-02_UNRISD_Machtstrukturen-aendern-mittels-Allianzen-und-Druck-von-unten


2024-10-10_12te-Armutskonferenz_Michael-Lederer_allgemeine-Buergerbeteiligung-bei-Gesetzesentwürfen_Ausschnitt
Michael Lederer in seinem Beitrag „Politik und Zufall“ zur 12. Armutskonferenz im Jahr 2020

Anmerkungen

2024-08-05_qr-code_bosolei_mehr-wohlstand-durch-mehr-demokratie

*| Unter „solchen Verfahren“ versteht Jan-Werner Müller Bürgerbeteiligungen mit Losverfahren. Zuvor beschrieb er kurz das Oregon-Modell: „Das Herzstück des Modells ist, die ’normalen‘ Bürgerinnen und Bürger via Losverfahren in den demokratischen Prozess einzubinden und das Ergebnis ihrer Deliberationen allen Stimmbürgerinnen und -bürgern vor einer Volksabstimmung zukommen zu lassen.“ (Nenad Stojanović, in: Jahrbuch für Direkte Demokratie, 2020, S 77) Hinsichtlich der Verbindlichkeit für den Gesetzgeber sind viele weitere Wünsche und Forderungen progressiver, wie beispielsweise jene von SOS Mitmensch mit ihrer „Pass Egal Wahl“ als eine auf Dauer angelegte und umfassende Antwort auf die Kulturfrage, Michael Landau („Armuts-Check von Gesetzen und Verordnungen“), der 12. Armutskonferenz


Auch diese drei Forderungen der 12ten Armutskonferenz:

Neue Partizipationsprojekte
Sozialverträglichkeitsprüfung“ gesetzlicher Maßnahmen
Health Impact Assessment

blieben von den Regierenden bislang unberücksichtigt.


2024-09-28_politik-lernen_Demokratie-in-der-Schule

oder SOS-Kinderdorf Österreich mit der Forderung nach einem „erweiterten Jugend-Check für alle neuen Gesetze: Jeder Entwurf soll von einer unabhängigen Stelle zu den Auswirkungen auf Kinder und Jugendliche geprüft werden.“ Expert:innen in Fragen zur Demokratie(entwicklung) gehen einen Schritt weiter und empfehlen u. a. eine Zukunftskammer oder ein birepräsentatives Modell. Ein Hinweis von Tamara Ehs lautet: „Um Lehren aus der Krise zu ziehen, muss man bereits den Regelzustand verändern. Hierzu könnte man […] auch ohne Gesetzesänderung die Geschäftsordnungen des National- und des Bundesrats partizipativer interpretieren.“ (Krisendemokratie, 2020, S 101 f)

2024-10-19_sieglinde-rosenberger_aktive-zivilgesellschaft
2024-09-28_mastodon_manin_reybrouck_repraesentativsystem_aristokratischer-reflex_demokratie
2024-09-28_seismo_direkte-demokratie-in-der-schweiz_schaub-buehlmann_partizipation

Siehe dazu auch Überlegungen von Brigitte Geißel und Stefan Jung hinsichtlich Etablierung eines Beteiligungsrates auf Bundesebene. In mehreren Städten werden sie bereits praktiziert, so auch als „Beteiligungsrat Gemeinwohl“ in Leipzig: „Es war eine durchaus verzwickte Frage, die die Ratsversammlung dazu brachte, einen Beteiligungsrat Gemeinwohl einzuberufen. 50 ausgewählte Bürgerinnen und Bürger sollten sich Gedanken darüber machen, wie ‚gesellschaftliches gemeinwohlorientiertes Engagement der Einwohnerinnen und Einwohner‘ wirklich gefördert werden könnte.“ Begründung: „Vor dem Hintergrund des enormen Wachstums Leipzigs, gesellschaftlicher Spannungen und internationaler Krisen gewinnt der Gemeinwohlgedanke institutionenübergreifend an Bedeutung. Umso wichtiger erscheint es, die Auseinandersetzung über das Thema Gemeinwohl unter der breiten Beteiligung der Stadtgesellschaft anzuregen und insbesondere Menschen in den Dialog einzubinden, die sich nicht (mehr) am politischen Willensbildungsprozess beteiligen oder in gewählten Parlamenten oft stark unterrepräsentiert sind.“

> Gemeinwohlkontrolle
> EU Bürgerforum gegen Hass
> seismo

2022-03-01_armin-nassehi_wer-die-gesellschaft-veraendern-will-veraendert-ihre-organisationen

2024-10-10_demokratiezentrum_soziale-demokratie
2024-10-08_Allianzen-reichen-nicht_Demokratie-staerken-durch-mehr-Partizipation-in-der-Gesetzgebung

An dieser Stelle nochmals dieser Hinweis:

Zukunftskammer – eine Empfehlung des Wissenschaftlichen Beirats der deutschen Bundesregierung für globale Umweltveränderungen aus dem Jahr 2011.

2024-09-09_Concordia_Vorschlaege-gemeinnuetziger-Organisationen

Schlussworte

Tamara Ehs, in: Krisendemokratie (2020), S 22: „Demokratie hat allerdings den Pluralismus und damit die Notwendigkeit der Einholung einer Diversität von Meinungen nicht nur idealerweise zur Voraussetzung, sondern eine [die „selektive Responsivität“ konterkarierende|Anm. AN] breitere Entscheidungsfindung führt auch zu besseren, weithin akzeptierten Gesetzen.“

… erst eine innere Bekehrung verwandelt die äußeren Umstände, aber zugleich stützen und ermöglichen äußere gerechte Zustände eine innere Bekehrung des Menschen zum Guten, der ohne äußere Gerechtigkeit der inneren Lieblosigkeit zum Opfer fiele.

Peter Schallenberg, in: Zivilökonomie, 2013, S 23

                    


Auszüge dieser Webseite vom 16. August 2024 als pdf-Datei

Demokratisiert Euch!

Mehr als ein halbes Jahrhundert nach dem oft zitierten Wort aus Willy Brandts Regierungserklärung vom Oktober 1969, wonach die BRD mehr Demokratie wagen wolle, gibt es weiterhin unbeantwortete Fragen auf dem Weg dorthin. Zudem wird der damals konstatierte Bedarf mittlerweile nicht nur in Deutschland festgestellt.

Sofern wir die damit verbundenen Herausforderungen annehmen, sollten wir unsere Reise in eine Zukunft mit „mehr Demokratie“ passenderweise mit der Beantwortung grundsätzlicher Fragen beginnen. Eine davon lautet:

Wie können wir als Gesellschaft reifen? Die Antwort darauf ist schnell gefunden: Indem wir an unseren Schatten arbeiten und sie gegebenenfalls integrieren. Das funktioniert individuell ebenso wie gesamthaft.

2024-07-22_Philipp-Ther_Das-andere-Ende-der-Geschichte_Seid-wachsam-und-engagiert-euch

Der bisherige Reifeprozess ging dabei nicht weit genug. Daher sind Demokratien unter Druck geraten. Dies auch deshalb, weil weniger das Gemeinwohl als vielmehr Parteiinteressen im Vordergrund standen und stehen. Auf den Wettkampf von Parteien zu setzen führt offensichtlich noch zu keinen zufriedenstellenden Ergebnissen. Es reicht auch nicht, wenn Regierungen und ihre missliebigen Teilgesellschaften – sprich: Parteien – abgewählt werden können. Die Verteidigung der Demokratie ist ebenso wenig zielführend. Schließlich ist ihre jeweilige Beschaffenheit eine wesentliche Quelle dafür, dass spätestens seit dem Beginn des 21. Jahrhunderts dunkle Wolken am bislang azurblauen Polithimmel aufziehen. Als Antwort darauf weiterhin den Status quo prolongieren zu wollen, führt selbst nach erfolgreichen Protesten allenfalls zu kurzfristiger Aufhellung am gemeinwohlorientierten Firmament.

2024-05-25_mastodon_ziblatt_demokratie-jetzt-entwickelnWas also tun? Weil Aufklärung nicht reicht, um ein „gutes Leben für alle“ zu gewährleisten, braucht es repräsentative(re) Parlamente als Legislative. 2024-07-07_the-wolf-and-the-sheep_once-elected-i-will-be-vegetarian„Wählen allein“ reicht dazu allerdings auch nicht, denn diese Form der Zuweisung von gesellschaftlicher Gestaltungsmacht führt nach David Van Reybrouck zu Ohnmacht. Um nun die gesetzgebenden Institutionen der Demokratie weiterzuentwickeln, bedarf es eines breiten Diskurses über die unterschiedlichen Ideen und Vorschläge. Im Vergleich zu anderen Modellen genießt das birepräsentative System dabei den Vorteil jahrtausendelang bewährter Erprobung. Die Kunst einer demokratiepolitisch aktiven Zivilgesellschaft wird sein, sich auf konkrete Forderungen zu einigen und diese gegen die zu erwartenden Widerstände dauerhaft zu institutionalisieren.

2024-07-09_Markus-Benke_Rousseau_Tyrannei-der-Mehrheit-und-der-Minderheit

Proteste als Form der Partizipation

Hier beginnt nun unsere Arbeit daran, die oben erwähnten Schatten zu integrieren. Ist der Fokus für unser Engagement erst einmal definiert, gilt es zunächst – und auch weiterhin – äußerst hartnäckige Widerstände („einer lauten Minderheit„) aus dem Weg zu räumen.2024-05-16_dialogperspektiven_demokratisiert-euch Schließlich geht es dabei um unreflektierte Haltungen ebenso wie um Macht in all ihren Facetten und Ausprägungen. Die angewendeten Mittel zur Verteidigung von politischer Einflussnahme zwecks Erwerbung und Erhalt von rechtlich verankerten und durch langjährige Praxis scheinbar legitimierten Vorteilen sind vielschichtig. Auf die nächste Krise1 zu hoffen bringt uns auch nur zufällig einen Schritt näher ans erstrebte Ziel einer repräsentativen Volksvertretung ohne Schatten. Was bleibt, ist uns zu demokratisieren. Mit uns sind alle gemeint, nicht nur die üblichen Aktivbürger. Um weitgehend alle zur Teilnahme zu motivieren, braucht es allerdings eine entsprechende „Kultur der Ermächtigung“ inklusive einer lebendigen Protestkultur.

Tobias Doppelbauer/Dirk Lange in Demokratie im Alltag: 2024-06-13_attac_steyr_sommerakademie-der-sozialen-bewegungen„Narmina erklärte etwa auf die Frage danach, wo ihr Demokratie im Alltag begegnet, dass sie die demokratische Gesellschaft im Alltag erlebt, wenn sie an einem Protest teilnimmt. Für sie ist es ein Kennzeichen der demokratischen Gesellschaft, dass Proteste als Form der Partizipation möglich sind.“ (S 190)

Die „Sommerakademie der sozialen Bewegungen 2024“ in Steyr lädt zur Diskussion ua über: Demokratie & Frieden, zivilgesellschaftliche Ermächtigung, Wege zur Stärkung der Demokratie …

2024-04-17_armutskonferenz_w2_buergerinnenraete-in-verfassung-und-auf-gemeindeebene

Aber was heißt das jetzt, sich individuell und als Gesellschaft zu demokratisieren? Wir haben doch bereits – zumindest in Österreich – eine funktionierende Sozialpartnerschaft und die nichtterritoriale Selbstverwaltung von Kammern und Gesundheitskassen im Verfassungsrang. Wie wir bisher gesehen haben – beispielsweise bei der fehlenden Beseitigung von Kinderarmut -,

2024-07-23_science-apa_OECD_Kinderarmut

reicht das genauso wenig wie dieser Vorschlag von Tim Wihl in Wilde Demokratie:

„Um den aufgeführten Risiken beizukommen, wäre es allerdings noch vorteilhafter, wenn die digitale Öffentlichkeit sich letztendlich commons-haft beziehungsweise genossenschaftlich und selbstverwaltet organisieren würde. Dafür braucht sie den Staat als regulatorischen und womöglich auch fiskalischen Bündnispartner gegen den Markt.“ (S 27)

2024-06-12_mastodon_karl-dietz-verlag_jean-jauresDoch genau diesen „Staat als Garanten von Unordnung“, wie Tim Wihl weiter ausführt, gibt es noch nicht in ausreichend gesichertem Maße. Ansonsten hätten wir die Probleme einer sich (fast) ausschließlich auf Wahlen stützenden Demokratie nicht, von der Emanuel Towfigh im Jahr 2015 meinte: „Aber die Parteiendemokratie hat sich offenkundig überlebt, die Nachteile dieses Systems werden immer deutlicher sichtbar.“ Ein Ausweg aus der Demokratiekrise wird deshalb nicht durch die Gründung neuer Parteien erfolgen.

2023-12-14_brot-fuer-die-welt_handabdruck_kampagnen-des-protests-sind-notwendige-strategien_auszug

Wir dürfen im Jahr 2023 sogar fragen: Welchen Anteil haben ehemals sozialistische Parteien daran, dass mehr als hundert Jahre nach ihrer Gründung Einkommensungleichheit als Gefahr für die Demokratie gilt? Die volonté générale (Gemeinwille) wird von den Reichen – Stichwort: „selektive Responsivität“ – weiterhin mit Füßen getreten: „Eine weitere massive Verschlechterung betrifft die Leistungen fürs Wohnen, auch die Wohnbeihilfe wird jetzt von den zuständigen Behörden einbehalten. Mindeststandards gibt es keine mehr, das Ziel der Armutsbekämpfung ist aus den Zielen des Gesetzes gestrichen worden. Manche wollen in dieser Situation Sozialleistungen für die Ärmsten im Land weiter kürzen.“ (Die Armutskonferenz, 2024)

2024-06-27_Plaedoyer-fuer-mehr-Mitentscheidung

Auf dem Weg zur einmütigen Mitentscheidungskultur2

Martina Handler im Podcast: Mitbestimmen statt meckern

Ein erster Schritt zu einer tieferen und damit kulturell verankerten Demokratisierung einer Gesellschaft führt uns in Schulen3 und Kindergärten, in denen Demokratie als Lebensform bereits praktiziert (Inhalte zu Partizipation im Zwergengarten Langenegg seit Frühjahr 2025 nur noch im Archiv abrufbar) wird.Screenshot_20240802-213713 Darüber hinaus braucht es über das ganze Land verteilte Diskussionsveranstaltungen mit Workshops, Aktionen im öffentlichen Raum – wie zB ein zweiter Bundesrat als Probebühne für dessen Transformation in einen Gemeinwohlrat (vgl. Kontrollgremium „Der große Rat“ in Venedigs Republik und siehe weitere Hinweise) – und Festivalcharakter. Nur so kann Demokratie als gemeinschaftsbildende Kultur4 lebendig werden und bleiben. Plattformen können dabei unterstützend wirken. Ebenso Konferenzen als „Übung[sfelder] in Sachen Demokratie„.

2024-07-02_qr-code_t1p-de_mitentscheidungskulturDamit aber werden die Steine am Parlamentsgebäude noch kein bisschen bunter. Was noch fehlt sind dauerhaft aktive, zivilgesellschaftliche Bündnisse, die Proteste als Demokratiegeneratoren (Armin Nassehi) verstehen und diese gezielt einsetzen, um „Repräsentationsarmut und Polarisierung“ (Tamara Ehs) durch die Weiterentwicklung5 des demokratischen Institutionengebäudes zu verringern.

2024-06-11_bpb_nicht-institutionalisierte-politische-beteiligung-und-protestverhalten


2024-07-16_Danielle-Allen_Politische-Gleichheit_demokratische-Entscheidungsfindung

Anmerkungen

1| Tim Wihl schreibt angesichts struktureller Probleme korrekterweise von „Zeichen demokratischer Malaise„.

2| Erste Details dazu siehe: „Mitentscheidungskultur als Weg zur resilienten Demokratie“

2024-06-13_uni-leipzig_demokratie-braucht-kultur

3| Siehe auch Zentrum polis: Demokratie in der Schule – Beispiele: Sportmittelschule in Feldbach, Volksschulen im Bezirk Weiz – in einer für die Oberstufe der AHS geltenden Verordnung der Bundesministerin für Bildung, Wissenschaft und Kultur aus dem Jahr 2003 heißt es dazu: „Die Schülerinnen und Schüler sollen befähigt werden, Sachverhalte und Probleme in ihrer Vielschichtigkeit, ihren Ursachen und Folgen zu erfassen und ein an den Menschenrechten orientiertes Politik- und Demokratieverständnis zu erarbeiten. Dies verlangt eine entsprechende Praxismöglichkeit im Lebens- und Erfahrungsbereich der Schülerinnen und Schüler.“ (S 35)

2024-05-31_Wie-ungueltig-oder-nicht-waehlen-Demokratie-gefaehrdet

In der Europarats-Charta zur Politischen Bildung und Menschenrechtsbildung lautet das Ziel (Grundsatz) unter Pkt. 5 Abs. g: „Ein grundlegendes Ziel jeder Politischen Bildung und Menschenrechtsbildung besteht darin, die Lernenden nicht nur mit Wissen, Verständnis und Kompetenzen auszustatten, sondern sie auch dazu zu befähigen, im Dienste der Menschenrechte, der Demokratie und der Rechtsstaatlichkeit in der Gesellschaft aktiv werden zu wollen.“ (S 4)

2024-05-26_Steiermark_Demokratiebildung_Wahlen-sind-zu-wenigDie bisherigen Bildungsmaßnahmen jedenfalls waren noch kein Garant für die Beibehaltung des Status einer liberalen Demokratie in Österreich. So kam es, dass die Alpenrepublik im Jahr 2022 erstmals wieder zur Wahldemokratie herabgestuft wurde. Um im weltweiten Demokratie-Ranking vorne dabei zu sein braucht es also mehr als politische Bildung in der herkömmlichen Form, es braucht eine Weiterentwicklung demokratischer Strukturen als permanent wirksamen Ausdruck für den Souverän (vgl. Hans Kelsen).

Tim Wihl, sich auf Canettis Modell der Umkehrungsmassen beziehend: „Es spiegelt wider, dass die Demokratie nur gedeihen kann, wenn sich Menschen von Zeit zu Zeit erheben, um sich von zu vielen Stacheln der Befehle zu befreien.“ (Wilde Demokratie, S 93) Zu beachten sei dabei folgender Aspekt: „Nur Proteste, die den politisch-ökonomischen Kontext berücksichtigen, können zu einem dauerhaften Wandel beitragen, der in demokratische Entscheidungsprozesse mündet.“ (S 96 f) Am Schluss seines Buches noch dieser Hinweis: „Civic courage ist das schlechthinnige Ideal der Demokratie im Sinne des US-Richters Louis Brandeis: Nur wo Menschen sich gemeinsam etwas trauen, werden sie auf Dauer in einer Demokratie leben.“ (S 129 f)

2024-06-11_zeit-de_losen-statt-waehlen_bundeskunsthalle-seziert-die-demokratie


4| Mehr Demokratie: „Unsere demokratischen Strukturen sind darauf angelegt, die Würde des Menschen zu schützen und Freiheit zu gewährleisten. Doch der staatliche Rahmen allein schafft noch keine lebendige Demokratie: Um sie erlebbar zu machen, sind bestimmte innere Haltungen notwendig, bestimmte Herangehensweisen und Formate hilfreich. Eine solche demokratische Kultur lässt sich nicht regeln oder verordnen – sie muss entwickelt, bewegt und praktiziert werden. Aus dieser Dynamik heraus lassen sich dann auch die Strukturen weiterentwickeln.“

2024-06-04_diw_marcel-fratzscher_zivilgesellschaft-ersetzt-nicht-den-sozialstaat

inspirieren – beteiligen – mitentscheiden: „Partizipation braucht Erwachsene

Inspirierende Ideen für mögliche Entwicklungen unserer demokratischen Strukturen gibt es mittlerweile viele, wie zB jene von Hubertus Buchstein, dem WBGU, Tamara Ehs, Michael Landau oder David Van Reybrouck. Um nur eine einzige davon zu realisieren, braucht es Menschen mit einem Herz für politisches Engagement jenseits von Parteieninteressen. Ein Bündnis für mehr Demokratie (als Lebensform) könnte dabei wertvolle Beiträge liefern.

2024-05-15_bosolei_jetzt-uebernehmen-wir_mit-buendnissen-widerstaende-ueberwinden

Auch der DGB ist proaktiv dabei:

Währenddessen wird in Österreich noch beraten, hoffentlich:

2024-05-15_bosolei_jetzt-uebernehmen-wir_Mehr-Demokratie_erfolgreiche-Volksinitiative_Buergerentscheid

Weitere Informationen darüber hier: https://www.mehr-demokratie.de/nachrichten/einzelansicht/volksinitiative-buergerentscheid-in-schleswig-holstein-gerettet

2024-06-25_buergerrat-de_buergergutachten_ergaenzung-der-parlamentarisch-repraesetnativen-demokratie

Kritik an der Durchführung des Bürgerrates Demokratie und dessen Ergebnissen im Jahr 2019

Screenshot_20240616-191706Dieser Vorschlag des WBGU aus dem Jahr 2011 blieb unberücksichtigt :

„Um Zukunftsinteressen institutionell zu verankern, empfiehlt der WBGU zu erproben, das parlamentarische Gesetzgebungsverfahren um eine deliberative ‚Zukunftskammer‘ zu erweitern. Um interessens- und parteipolitische Einmischung zu vermeiden, könnte die Zusammensetzung dieser Kammer beispielsweise durch Losverfahren ermittelt werden.“

Quelle: Welt im Wandel – Gesellschaftsvertrag für eine Große Transformation, S 10 f


5| „Die Demokratie braucht [Anm.: auch] die Gewerkschaften„. Die Akademie für ArbeitnehmerWeiterbildung stellt am 12. August 2024 dazu ua folgende Fragen: „Protest zeigt immer Probleme und Risskanten einer Gesellschaft auf. Dazu beschäftigt uns die Frage, welche Ursachen für Proteste existieren und welche Herausforderungen Protestkultur im 21. Jahrhundert widerfährt. Wir beschäftigen uns des Weiteren mit der Frage, wie viel Protestpotenzial in uns steckt: Gäbe es für uns auch einen Grund zu protestieren oder ist es nicht wünschenswert, in Ruhe ohne Protest und 2024-07-22_Daniel-Loick_Minoritaet-und-die-Allianz-mit-heterogenen-KraeftenKonflikte zu leben? Und ist nicht das ein Privileg, das man sich leisten können muss?“ (vgl. Armin Nassehi, Ciani-Sophia Hoeder u. v. a. m.)

Zuletzt noch dieser Gedanke von Marcus Hernig: „Doch Revolutionen können auf Dauer nur Erfolg haben, wenn die Masse der Bevölkerung diese unterstützt.“ (S 83)

Weitere Hinweise dazu von Daniel Loick und anderen hier.

Screenshot_20240725-153618Wenn unsere gemeinsame Zukunft als Grundlage für ein friedliches Miteinander und ein gutes Leben für alle auf dem Spiel steht, dann sind auch Religionen mit an Bord: https://religionsforfuture.at/#treffen-der-steiermark

2024-06-18_Global-Democracy-Conference-2024
Eine Anregung für „Demokratie in Aktion“-Aktivitäten: Global Democracy Conference 2024

2024-06-18_social-anoxinon_zeit_david-holt_wir-integrieren-alle-politik

2024-08-09_politix_widerstand-&-utopie_melvin-tricoire_emanzipieren-wir-uns


Diese Webseite gibt es auch als pdf-Datei (Stand 25.6.2024) zum Download.

Jetzt übernehmen wir!

Am besten funktionieren solche Veränderungen, an die man sich gewöhnen kann und die zumindest nicht disruptiv sind. (Armin Nassehi, in: Unbehagen, S 330)

Wege zum repräsentativen Parlament

Das Motto der 14. Armutskonferenz in St. Virgil, Salzburg, ist kein Aufruf zur Revolution. Es wäre vermessen zu glauben, eine Umkehrung der Machtverhältnisse führt zu wohlstandsmehrenden Lebensverhältnissen für die zuvor Benachteiligten. Ein gutes Leben für alle braucht in einer offenen Gesellschaft auf Dauer das gesamte Meinungsspektrum in den Institutionen der Volksvertretung. Genau deshalb, weil dieses durch die bestehenden Repräsentationslücken derzeit nicht gegeben ist, benötigen die politischen Entscheidungsgremien vielmehr eine partizipative Aufwertung. Eine starke Demokratie wäre die Folge davon.

Verschiedene Formen stehen dafür zur Auswahl. Zwischen Bürger*innen-Rät*innen und Losbewegungen ist vieles sinnvoll. Nicht vertreten hingegen ist dabei die Idee eines Jean Jacques Rousseau, der in seinem Gesellschaftsvertrag meinte: wenn es denn schon Teilgesellschaften – sprich: Parteien – geben soll, dann „ist es wichtig, ihre Zahl zu vervielfachen und ihrer Ungleichheit vorzubeugen“ (Nr. 320). Dafür gibt es eine einfache Erklärung: Auch wenn das Angebot der KPÖ+ in Salzburg zahlreiche Bürger*innen wieder zurück an die Wahlurnen bewegt, wird dadurch auf Dauer kein vielfältiges Meinungsspektrum gewährleistet. Diese Garantie erfordert in letzter Konsequenz wie die nichtterritoriale Selbstverwaltung Bestimmungen im Bundes-Verfassungsgesetz (S 18). Demokratiestärkende Reformen sind allerdings erst – wie in anderen Ländern auch – nach entwicklungsfördernden Regierungskrisen zu erwarten. Es gibt aber noch weitere Barrieren zu überwinden:

Erfolge im Kampf gegen die relative Armut sind viel schwerer zu erringen als im Kampf gegen die absolute Armut, weil … die Bekämpfung der relativen Armut [erfordert], dass man den Reichtum antastet. (Christoph Butterwegge)

Wer die „selektive Responsivität“ als strukturelle Bevorzugung der Reichen in der Gesetzgebung aufheben will, kämpft gegen dieselben Windmühlen.

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Dringend empfohlen: eine Kultur der Mitentscheidung

Zur Überwindung von Widerständen braucht es eine entsprechende Kultur (siehe zB Vorarlberg) zur Erzielung nachhaltiger Transformationserfolge auf dem Weg zu der von Hartmut Rosa vorgeschlagenen „Gemeinwohlkonzeption, weil Politik nicht einfach Interessendurchsetzung ist.“ Wenn durch diese das Volk souverän wirken können soll, hat sie nach Hans Kelsen eine Institution der Republik zu sein. Dazu brauchte es Tamara Ehs zufolge nicht einmal eine Gesetzesänderung: es reicht, „die Geschäftsordnungen des National- und des Bundesrats partizipativer [zu] interpretieren.“ (Krisendemokratie, 2020, S 101 f)

Das wäre zwar ein willkommener erster Schritt, doch dieser ist nicht ohne unser Engagement abseits von Krisen zu erwarten. Das zeigen beispielsweise die Ergebnisse einer parlamentarischen Enquete-Kommission aus dem Jahr 2014 zur „Stärkung der Demokratie in Österreich“. Damals wurden viele Überlegungen nicht einmal ignoriert – wie auch jene von Tamara Ehs:

„Wir haben gemeinsam dieses Grünbuch ‚#besserentscheiden‘ ausgearbeitet, und da kam die Idee auf, ob es nicht der Bundesrat sein könnte, der sich hier neu orientiert. Eine Neuorientierung des Bundesrates als eine Art politischer Think Tank, wo Expertinnen und Experten eingeladen werden, wo der Bundesrat aber auch Bürgerkonferenzen in den einzelnen Bundesländern organisiert, als zukunftsgerichteter Think Tank, eben auch nach Beispiel des finnischen Zukunftsausschusses, wo man Veränderung begleiten kann. Veränderung findet ja immer statt, es geht nur darum: Laufen wir quasi der Veränderung hinterher oder gestalten wir sie mit? – Da könnte der Bundesrat mit dem bereits angesprochenen Demokratiebüro zusammenarbeiten, einen Raum auch für alternative Ideen finden, wo Bürgerinnen und Bürger gemeinsam neue Formen der Demokratie überhaupt erst einmal ausarbeiten können.“ (a. a. O., S 308)

2024-07-21_Postkarte-VS_Mitentscheiden_Ein-Fest-fuer-alle_Um nicht tatenlos auf eine reformbegünstigende Krise warten zu müssen, können wir jederzeit wichtige Schritte setzen zur Vorbereitung einer partizipativen Gesetzgebung. Diesbezüglich und zur möglichen Abwendung von Krisen bieten Demokratiefestivals* – mitunter auch Awards wie zB „European Capital of Democracy“ – einen von vielen Wegen zur Entwicklung einer Mitentscheidungskultur, mit dem Ziel, angestrebte Reformvorhaben zu beschleunigen.

Gesuchter Meilenstein: Antworten auf die Kulturfrage

Eine dauerhaft wirkende Partizipations– resp. Mitentscheidungskultur etabliert sich allerdings erst durch dauerhaft Wirkende** in all ihrer Buntheit. Attraktive kulturelle Angebote von kooperierenden Playern der Zivilgesellschaft (zB im Rahmen einer Langen Nacht der Partizipation) an verschiedenen Orten können die dargebotene „demokratische Kultur“ zur lebendigen Volkskultur werden lassen – mit entsprechenden Aufträgen*** an die Politik.

Was die Dauerhaftigkeit und Wirksamkeit betrifft, so darf die im Jahr 2013 eingeführte Pass Egal Wahl von SOS Mitmensch (vgl. mitstimme.ch) als Vorbild genannt werden. Dadurch konnte erstmals neun Jahre später die Arbeiterkammer Wien zur Mitwirkung gewonnen werden.

Neben den bereits erwähnten Demokratiefestivals gibt es zB noch die Demokratiewoche in Telfs rund um den Internationalen Tag der Demokratie, Projekte von Faktor-D und viele andere interessante Formate mehr.

2024-06-27_Plaedoyer-fuer-mehr-Mitentscheidung

2024-08-21_bsky_Armin-Nassehi_Aufklaerung_Proteste-Demokratiegeneratoren*| Siehe auch a) „Festival für Bürgerbeteiligung und deliberative Demokratie„, das vom Kompetenzzentrum für partizipative und deliberative Demokratie (CC-DEMOS) der Europäischen Kommission organisiert wird und b) Mitmacht, ein Festival von Faktor D.
**| Dieter Rucht erwartet sich von kontinuierlicher Arbeit „auf lange Sicht viel mehr als von den kurzzeitig aufflammenden Protesten von Hunderttausenden oder gar Millionen.“ (S 8)
***| Vgl. Druck auf politische Eliten in Bosnien-Herzegowina, sich um einen EU-Beitritt zu bemühen. Inwieweit „Kulturstrategien als Übungsfeld für mehr Partizipation“ gelten dürfen ist fraglich, schließlich werden „konkrete Vorschläge“ wie „Kunst als Übung für partizipative Demokratie“ (S 17) erst an stiefmütterlich letzter Stelle genannt. Einen Versuch in diese Richtung unternimmt Florian Kutej mit dem Musiktheaterspaziergang „Kirschenrummel„.

2024-04-29_Armin-Nassehi_Theorie-der-ueberforderten-Gesellschaft_Soziodizee-der-Gewohnheit

2024-03-21_qr-code_bosolei-com_jetzt-uebernehmen-wir

Der Inhalt dieser Webseite vom MI 10. April 2024 als pdf-Datei


2024-04-25_uni-leipzig_demokratie-braucht-kultur

Ergänzende Hinweise

1. Publikationen und Medien, zusammengestellt von der Stiftung Mitarbeit.

2. Tamara Ehs in der oben erwähnten Enquete-KommissionStärkung der Demokratie in Österreich“ am 18. Dezember 2014:2024-03-14_Enquete-Kommission_Staerkung-Demokratie_2014_Tamara-Ehs_transparente-Gesetzgebung

3. Screenshot_20240501-083552Eine der Forderungen der Arbeiterkammer zur Stärkung der „Demokratie auf allen Ebenen“ lautet:

„Den Umbau demokratisch gestalten: Politik lebt von der Mitwirkung. Die Maßnahmen des sozialen und ökologischen Umbaus sollten daher in breiten und partizipativen Diskussionsprozessen entwickelt und demokratisch entschieden werden. Dabei sollten innovative, sozial repräsentative und inklusive Formen von Partizpation angewandt werden, um der Bevölkerung effektive Möglichkeiten zur Mitwirkung zu geben.“

Quelle: Wirtschaft & Umwelt 1, 2024, S 21

2024-05-06_ak-wien_zweit-drittel-demokratie-droht_mitbestimmung-privileg-der-bessergestellten


2024-04-26_Van-Reybrouck_Gegen-Wahlen_Losverfahren-in-Kombination-mit-Wahlen

4. Was es neben den bisherigen Bemühungen noch braucht: institutionalisierte Dauerhaftigkeit

2024-04-05_InterAct_25-Jahre_Legislatives-Theater_UniZentrum-WallPolitische Erfolge der Bürger*innenräte und des Legislativen Theaters sind wichtige Schritte auf dem Weg zu repräsentativen Parlamenten in Gemeinden, Städten, Regionen, Nationen und in supranationalen Institutionen. Ihre Schwerpunkte liegen in ausgewählten Themen. Zudem liefern sie wichtige kulturelle Beiträge („soziales Kapital„) zur Zukunftsfähigkeit von demokratischen Gesellschaften. Allerdings sind sie damit noch weit entfernt von einer dauerhaften 2024-05-03_Michael-Lederer_armutskonferenz-2020_Institutionalisierung-der-partizipativen-DemokratieGemeinwohlkontrolle im Sinne eines Armuts-Checks von Gesetzen und Verordnungen, formuliert von Dr. Michael Landau im Jänner 2020. Die Steine auf dem Weg dorthin sind nur gemeinsam zu beseitigen. Einzelne Projekte oder Wortmeldungen – selbst jene von Willy Brandt in seiner Regierungserklärung im Jahr 1969, die da lautet: „Wir wollen mehr Demokratie wagen.“ – bringen uns der wünschenswerten und zu fordernden Repräsentativität in der Gesetzgebung allenfalls nach schweren Krisen näher. Bislang aber selbst dann nicht nahe genug.

Demokratie als Lebensform

Deshalb braucht es noch zusätzlich Proteste als Demokratiegeneratoren* (Armin Nassehi) ebenso wie Diskurse und Festivals, am besten im Rahmen einer lebendigen Mitentscheidungskultur. Solange ausreichend viele „konkrete demokratische Erfahrungsräume fehlen“ (Jakob Fürst), sind wir aufgerufen, „Mitentscheidung einzufordern„. Wie sonst soll (Kinder-)Armut als Risiko für [die] Demokratie jemals aus der Welt geschafft werden?

*| Wenn es also Proteste benötigt, um die Demokratie als Herrschaftsform weiter zu entwickeln, sollten wir uns dann in Anlehnung an die Grazer Stadtschreiberin Andrea Scrima nicht auch fragen, WO „man das Aufbegehren lehren kann„? Ist diesbezüglich ein jährlich wiederkehrendes Protestcamp im öffentlichen Raum nicht die geeignetere Form anstelle von Diskursen in klimatisierten Stadthallen?

2024-05-10_tim-wihl_wilde-demokratie_protest

Wegweisende Maßnahmen der 14. Armutskonferenz

Demokratie als Lebensform wird mittlerweile bereits in Kindergärten praktiziert und gelernt. Gleichzeitig braucht es idealerweise auch eine verfassungsmäßig verankerte Gewährleistung einer repräsentativen Mitwirkung an öffentlich relevanten Entscheidungen. In der 14. Armutskonferenz wurde daher folgendes von den anwesenden „Minister*innen“ in der Zukunftswerkstatt Beteiligung beschlossen:

2024-04-17_Armutskonferenz_W2_BuergerInnenraete-in-Verfassung-und-auf-Gemeindeebene

Einzelne Maßnahmen wie Informationen zu „Direkte Demokratie und Partizipation in den österreichischen Gemeinden“ im Anschluss an das gleichnamige Symposium vom 5. November 2014 führen allerdings von sich aus noch zu keiner flächendeckenden Versorgung mit partizipativen Elementen der Mitentscheidung als ein wesentlicher Bestandteil einer breitenwirksamen Mitentscheidungskultur.

2024-04-28_schlaining_workshop_erfolgreiche-beteiligungsprojekt-in-klimafragenMit Bündnissen Widerstände überwinden

Wie damals in Frankreich erfolgt bei den „privilegierten Ständen [auch heute k]ein Verzicht auf ihre Vorrechte freiwillig und aus Einsicht„. Jetzt übernehmen zu wollen, um die Demokratie zu stärken, braucht zuerst unser Engagement in lebendigen und damit starken Bündnissen zwischen verschiedenen Playern der Zivilgesellschaft.

Bild: Arno Niesner

2024-09-03_allianz-fuer-einen-fairen-beitrag-der-reichsten


Beispiel für ein erfolgreiches Bündnis

von über 50 Organisationen:

2024-05-15_Mehr-Demokratie_Newsletter-Mailing
Europa, Deutschland, Schleswig Holstein, Kiel, Rathausplatz, Mehr Demokratie e.V., Volksinitiative Rettet den Bürgerentscheid

2024-08-10_Allianzen-reichen-nicht_wir-brauchen-auch-Events_Pass-Egal-Wahl

Zukunft braucht Resilienz

2023-08-05_Einladung-Gruendung_Plattform_PRO_Bundes-BuergerRatIn guter Absicht werden Jugendliche im Rahmen eines zweijährigen Programms zu Gedenkfahrten eingeladen, denn: „Wer vor Ort erlebt hat, wohin Nationalismus und Rassismus führen, wird mit viel größerer Überzeugung für unsere freiheitliche Demokratie, eine vielfältige Gesellschaft und ein friedliches Europa eintreten und diese Überzeugung auch an die nächste Generation weitergeben.“ Derlei Anstrengungen sind wichtig, doch zeitliche Begrenzung und das fehlende flächendeckende Angebot sind weder nachhaltig noch ambitioniert genug.

2023-08-08_Promotionskolleg_Stephan-Lessenich_Grenzen-der-Demokratie

Inhalt: Individuelle Gesundheit und DemokratieBürgerbeteiligung kommt in ModeDas sagt die ForschungSchlussbemerkungen: Zweikammermodelle mit Losverfahren, Aufruf zu Handeln

Handeln als Therapie

Um einer „Wiederholung der Geschichte“ zu entkommen und gleichzeitig in eine „gute Zukunft“ führen zu können, braucht es größere Anstrengungen als Erinnerungen wach zu halten. Denn noch so umfangreiche Bemühungen darum führen ins Leere bei einer gleichzeitig stattfindenden Politik 2017-04 Suedwind-Magazin - Robert-Sommer: Gesellschaft reproduziert bewusst Randsozialer Ausgrenzungen – Stichwort: „selektive Responsivität„. Wir stellen dann zwar fest: „Armut frisst Demokratie“ (s. a. „Studie: Armut ist Risiko für Demokratie …„), unser Handeln zur Abwendung von Deklassierung jedoch ist noch nicht ausreichend fokussiert auf die Erzielung von „demokratischen Innovationen“ beim „institutionellen Design“ (Kübler/Leggewie/Nanz, S 76). Stattdessen glauben viele, „mit [Anm.: diskursiver] Bildungspolitik für mehr soziale Gerechtigkeit sorgen zu können.“ (Dierk Hirschel) Für Menschen mit Ressentiments als der „gefährlichste[n] Krankheit für die Demokratie“ sind nicht „Erkenntnis und Wissen“ das Ziel der Therapie, sondern die Fähigkeit, „zum Handeln zu gelangen“. (s. Cynthia Fleury) Bereits ausgearbeitete Ideen und Visionen liegen stattdessen brach und bleiben weiter unangetastet. So fehlen nicht nur den Jugendlichen in Sachsen-Anhalt und anderswo ausreichend Perspektiven, um sich mit vollem Elan am Bau für die gemeinsame Zukunft einer offenen und 2023-07-22_Lehrer-News_Jugendstudie-2022_der_Vodafone-Stiftung-Deutschlandprosperierenden Gesellschaft, einer resilienten Demokratie zu beteiligen. Zudem fehlt es ihnen auch an „Macht […], die Verteilungsordnung mitzugestalten.“ (S. Lessenich, S 33) Doch genau darin liegt eine vermutete Begründung: denn wieso sollte sich jemand für den gemeinsamen Bau einer Zukunft „abrackern“ wollen, die vermutlich nie die eigene sein wird?

„Kluge Leute“ helfen uns aber auch nicht weiter, um ins Handeln und damit zu notwendigen Reformen auf dem Weg zu mehr Partizipation zu gelangen. Sie wollen Milo Rau gemäß lieber „Recht […] behalten“ oder appellieren an die Vernunft des Einzelnen (vgl. Thilo Bode) und so stützt die „Uneinigkeit der Wohlmeinenden“ vielmehr „die herrschenden Verhältnisse“ als sie auf eine bessere Zukunft vorzubereiten. 2023-09-25_deutschlandfunk-nova_twitter_die-distanzierte-mitte_andreas-hoevermann_ausschnittAlternativ dazu auf eine derart große Krise zu hoffen, „dass es auch der letzte Trottel begreift“ (Philipp Blom, 2020), kann mitunter fatal enden. Besser, wir setzen ganz im Sinne von Milo Rau auf „die ‚praktischen Solidaritäten‘ […], die ‚reale Utopien‘ aufmachen.“ Sich mit den möglichen Zukünften zu beschäftigen macht zudem glücklicher. Florence Gaub: „Dafür brauchen wir das Wissen, das Handwerkzeug, die Kultur und auch die Institutionen.“

Sir Karl R. Popper: „…; wir müssen Institutionen konstruieren, …“

Breitenwirksame Kunst – beispielsweise „One Three Some“ von Danae Theodoridou im Rahmen von Demokratiefestivals – könne dabei als wesentlicher Hebel dienen: „Sie müsse sich herausbewegen, um eine größere Zielgruppe zu erreichen, sagt Milo Rau, der Kunst mit politischem Aktivismus verbindet.“

2023-09-22_SWR-Kultur_Milo-Rau_Kunst-als-Hebel

Mitbestimmung für die Vielen

Wenn wir nicht wollen, dass es eine Demokratie gibt, in der Mitbestimmung immer mehr zu einem Privileg der Bessergestellten wird, muss man gegensteuern. (AK Wien, 2022)

Martin Jäggle hat eine mögliche Antwort, die gleichzeitig als Handlungsanweisung für politisch Aktive zu lesen ist:

2022-11-06_Suedwind-Magazin_Editorial_Martin-Jaeggle_Demokratie-braucht-mehr-Partizipation

Individuelle Gesundheit und Demokratie

Ab diesem gleichnamigen Kapitel verknüpft Cynthia Fleury in ihrem Buch „Hier liegt Bitterkeit begraben“ zwei üblicherweise getrennt untersuchte Welten: die des Individuums mit jener der Gesellschaft als soziales Phänomen. Dabei kommt sie zu Überlegungen, die ich unter dem Begriff resiliente Demokratie einordne:

Die Verwendung der Gesundheit als Metapher hilft uns, die innere Dynamik des Subjekts und der Demokratie zu erfassen. (S 281)

Die psychische Gesundheit der Individuen und die demokratische Gesundheit sind miteinander zu verbinden, indem man nach einem guten Funktionieren der Gesellschaft fragt, nach ihrer Fähigkeit, ihrer eigenen Entropie zu widerstehen, und nicht eine unerschütterlich tugendhafte Ausübung demonstriert. Bei guter Gesundheit zu sein bedeutet, krank zu werden und wieder aufzustehen, wie uns Canguilhem und viele andere gelehrt haben. Die demokratische Gesundheit teilt dieselbe Fähigkeit: Sie muss in der Lage sein, mit ihren inneren Störungen fertigzuwerden, darf nicht von ihnen paralysiert werden und muss einen Weg finden, um Fortschritte zu machen, auch wenn es immerwährende Gegenwinde gibt. Diese zeugen nicht unbedingt von einem gesunden Pluralismus. (S 261)

Sobald man das Ressentiment als eines der gefährlichsten Übel für die psychische Gesundheit des Subjekts und die Funktionsfähigkeit der Demokratie bezeichnet, ist es wichtig zu verstehen, wie man sich vor ihm schützen kann, sicher institutionell, aber auch klinisch, … (S 264)

2022-10-23_Inhalte-Postkarte_Institutionalisierter-Pluralismus

Bürgerbeteiligung kommt in Mode

„Der Bürger*innenrat ist eine Form der Zusammenarbeit zwischen Bevölkerung und Politik, stimuliert kommunikativen Austausch und leistet somit auch ein Stück weit politische Bildung (vgl. dazu Lederer 2009). Unter qualitätsvoller Moderation werden mit zufällig ausgewählten 2023-09-11_Telfser-Demokratiewoche_Telfer-Demokratiepfad_2022Bürgerinnen und Bürgern einer Gemeinde, Region oder eines Landes an einem Wochenende Lösungen für gesellschaftliche Herausforderungen ausgearbeitet. Aufgrund der Zufallsauswahl handelt es sich bei den Teilnehmenden um ’normale‘ Personen, die über keinerlei spezielles Vorwissen oder spezielle Qualifikationen verfügen. Insbesondere vertreten sie dadurch keine Interessengruppen, sondern ihre persönliche Meinung. Die Teilnehmenden eines Bürger*innenrats werden dazu motiviert, Themen und Anliegen zu einer bestimmten Ausgangsfrage oder einem definierten Themenfeld an diesen eineinhalb Tagen zu diskutieren. Aufgrund der auswahlbedingt vielfältigen Zusammensetzung der Gruppe geht es mit ziemlicher Sicherheit um Fragen, die viele Menschen in der Gemeinde bewegen. Zu diesen Themen diskutiert der Bürger*innenrat Thesen, Sichtweisen, Lösungsideen und Empfehlungen. …

Der Bürger*innenrat ist ein unparteiisches Sprachrohr der Bevölkerung, bringt Politik und Bürgerinnen und Bürger näher zusammen und ist als Ergänzung zum repräsentativen System zu sehen. …

2023-08-22_Armutskonferenz-2020_Michael-Lederer_Politik-und-Zufall

2023-08-23_buergerrat-de_nenad-stojanovic_buergerraete-sind-eine-antwort-auf-den-populismusAbschließend kann noch einmal festgehalten werden, dass das Zusammenspiel unterschiedlicher Formen der politischen Beteiligung entscheidend für die Demokratiequalität ist. Es geht um eine gute Ausgewogenheit der repräsentativen Demokratie mit Formen der direkten und partizipativen Demokratie. Letzteres bedeutet nicht nur mehr Arbeit, die sich effektiv lohnt, sondern auch eine neue Art der Politik voranzutreiben.“ (Michael Lederer, Die Armutskonferenz et al. [Hrsg.] [2020]: Stimmen gegen Armut. BoD-Verlag)

2023-08-19_baden-wuerttemberg_barbara-bosch_christian-gantner_chancenreicher-lebensraum

2023-09-20_Postkarte_Buergerraete-kommen-in-Mode_VS

Kritik und Ausblick

2023-09-18_Zandonella_Ehs_Auswirkungen-soziale-Ungleichheit-auf-DemokratieAngesichts wiederkehrender Erfolge rechtspopulistischer Parteien – Philipp Ther bevorzugt den Begriff „Rechtsnationalisten“ (S 56) – waren die bisherigen Bemühungen um „Demokratie und Toleranz“ im Rahmen von Demokratiebildung unzureichend. Auch die „soziale Schieflage der Wahlbeteiligung“ konnte damit nicht beseitigt werden. Daran wird sich wohl auch in Zukunft nichts ändern. Im Sinne von Willy Brandt sollten wir daher endlich „mehr Demokratie wagen„, indem wir institutionelle Reformen zuerst anstreben, vorbereiten und dann durchführen.

2023-09-11_Buendnis-Demokratie-Toleranz_Treptow-Koepenick_Berlin

Fallweise durchgeführte Bürgerforen wie die „Citizens‘ Assemblies“ in Irland oder Bürgerräte des Deutschen Bundestages ab 2023 sind dafür ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einer gleichwertigen Mitbestimmung der Vielen. Weiter unten werden wir sehen: es geht allerdings noch mehr.

Während die Beratungsergebnisse in Irland in der Legislative durchaus Berücksichtigung finden, ist in den meisten Fällen von Bürgerbeteiligungen nicht einmal dieser Aspekt gewährleistet. Ein besonders krasses Beispiel stellt diesbezüglich der im ersten Halbjahr des Jahres 2022 stattgefundene Klimarat in Österreich dar. Armin Schäfer und Michael Zürn bezeichnen die „Einführung von Bürgerhaushalten in Deutschland“ gar als „Pseudobeteiligungsmöglichkeiten“ (S 210). „Doch wer Beteiligung wünscht“, schreiben sie weiter, „muss die Bürgerinnen tatsächlich entscheiden lassen. Falsche Reformen sind solche, die entweder den Akademikerüberschuss verstärken oder primär symbolischen Charakter haben und somit die Schere zwischen Rhetorik und Realität wachsen lassen.“ Ihr Vorschlag: „Die Beteiligung sollte daher auf Los- oder ähnlichen Verfahren beruhen. Dadurch wird die Mitwirkung von denen befördert, die sonst nicht mitmachen würden.“


2023-08-02_buergerrat-de_ostbelgien_integration_menschen-mit-migrationshintergrund

Wer Bürgerbeteiligung ernst meint, lädt dazu nicht nur „Menschen mit Migrationshintergrund“ ein, sondern stellt dafür auch dauerhafte institutionelle Ressourcen zur Verfügung. Beispiel: Bürgerdialog in Ostbelgien. Noch nicht einmal richtig eingerichtet diente dieser bereits im Jahr 2021 als Vorbild bei der Gründung des Ständigen Bürgerrates in Paris (> paris.fr).


2024-05-21_buergerrat_citizens-assembly_finanz-und-wirtschaftskrise

Demokratie-Liebe versus Krisenpolitik

Bedauerlicherweise brauchte es dazu wie in Irland, so auch in diesen beiden Fällen erst krisenhafte Erfahrungen: in Belgien war die Geburtsstunde der Bürgerbeteiligung im Jahr 2011, nach mehr als einem Jahr ohne Regierung und in Paris waren es die Gelbwesten-Proteste. Im Jahr 2019, „mitten in der Krise um die Gelbwesten, wurde in einer Bürgerbefragung, die nach einer Art ‚großer Debatte‘ auf Pariser Ebene organisiert wurde, die Schaffung eines Gremiums gefordert, das den Bürgern die Möglichkeit geben sollte, an der Gestaltung der Politik mitzuwirken.

‚Wir befinden uns in einer sehr angespannten Situation mit einer Rekordzahl an Nichtwählern und einem großen Misstrauen in der Gesellschaft gegenüber den Institutionen, daher war es der richtige Zeitpunkt, diesen Bürgerrat einzuberufen‘, meint der gewählte Vertreter des 15. Arrondissements.“ (buergerrat.de)


Am Ende ist zwar klar erkennbar, dass ein Land nicht länger demokratisch regiert wird, weil die Medien nicht frei, die Opposition behindert, die Gewaltenteilung untergraben wird und Gerichte gleichgeschaltet sind, aber wann genau der erste Schritt in diese Richtung erfolgt, entgeht den Zeitgenossen häufig (vgl. Przeworski 2020, Kap. 10). Wann der ‚Vorkrieg‘ um das Überleben der Demokratie beginnt, ist auch deshalb schwierig zu erkennen, weil die neuen Autokratinnen für sich reklamieren, mehr Demokratie wagen zu wollen, und weil sie auf reale Probleme existierender Regime verweisen können. Funktionierte die Demokratie einwandfrei, böte sie ihren Gegnerinnen weniger Angriffsflächen.

Armin Schäfer/Michael Zürn
in: Die demokratische Regression. Die politischen Ursachen des autoritären Populismus.
Bonn, 2021, Sonderausgabe für die Bundeszentrale für politische Bildung, S 57 f


2023-08-20_Philipp-Ther_Das-andere-Ende-der-Geschichte_seid-wachsam-und-engagiert-euch
Siehe auch Liste an Aufzählungen zum Thema: „Was von der Kurz-Regierung bleibt …„. Ergänzender Hinweis zur UN-Behindertenrechtskonvention: „Rückschritte zeigen sich auch bei inklusiven Maßnahmen: Das vielversprechende Projekt der inklusiven Modellregionen wurde 2019 eingestellt, neue Ideen sind nicht in Sicht.

Aktiv-Demokrat:innen sollten nicht länger warten bis sich bestehende Krisen zu einer Staatskrise auswachsen. Sinnvoller ist das präventive Engagement in Richtung Reform und Ausbau der (insbesondere in der Schweiz) bewährten Konkordanzdemokratie als „Gegenmodell zu[r] Konkurrenzdemokratie„. 2023-08-07_momentum-quarterly_tamara-ehs_Die-demokratische-Gleichheit-des-Loses_Aus-der-Nische-des-Rechtswesens-zurueck-in-die-PolisVorreiter in dieser Hinsicht ist das Bundesland Vorarlberg mit seinem Erfolgsmodell bürgerlicher Beteiligung: „Viel Erfahrung mit diesem Instrument hat Vorarlberg. Es gilt, was die institutionelle Verankerung von Bürgerbeteiligungsprozessen angeht, international als Vorbild.

2023-08-09_Frankfurter-Hefte_Initiativrecht_Buergerbeteiligung_2021

Bereits vor fünfzehn Jahren hat das Büro für Zukunftsfragen, eine Stabstelle, die direkt dem Landeshauptmann zugeordnet ist, erstmals einen Bürgerrat einberufen. Ein voller Erfolg, weshalb konsultative Bürgerbeteiligungsverfahren 2013 in der Landesverfassung verankert wurden.“ (ORF, 2021)

Der andere BürgerRat: ein legislatives Kontrollorgan

Zumeist werden beratende (konsultative, deliberative) Ansätze diskutiert, ausprobiert und im besten Fall auch realisiert. Daneben bietet sich einem Land mit einem Zweikammerparlament noch die Möglichkeit eines Bundes-BürgerRates als zweite Kammer im Sinne eines Gemeinwohlcontrollings*. Siehe dazu Hinweise weiter unten in den Schlussbemerkungen zum Thema Birepräsentative Modelle mit Losverfahren.

*| Der Begriff „Gemeinwohlcontrolling“ wurde in einem vergleichbaren Zusammenhang erstmals von Prof. Birger Priddat in einem 3sat-Interview im Jahr 2017 verwendet. Siehe hier eingebettetes Interview.

2023-07-28_Furche_Tamara-Ehs_Mit-der-Gleichheit-des-Loses-gegen-elitaeren-Populismus

Das sagt die Forschung

2023-08-02_Armin-Wolf_ZiB2_Michael-J-Sandel_Vom-Ende-des-GemeinwohlsSo deutlich wie sonst kaum jemand beschreibt Michael J. Sandel, US-amerikanischer Moralphilosoph und Professor an der Elite-Universität Harvard, den Zustand der Leistungsgesellschaft in den USA. Im Interview mit dem ORF meinte er: „Denen, die straucheln und zurück bleiben wird das Gefühl gegeben, sie sind selbst Schuld. Diese Haltung zerstört die Idee einer solidarischen Gesellschaft. Das nenne ich die ‚Tyrannei der Leistung‚.“ In seinem Buch „Vom Ende des Gemeinwohls – Wie die Leistungsgesellschaft unsere Demokratien zerreißt“ aus dem Jahr 2020 wird er deutlicher:

„Die Reichen und Mächtigen haben das System manipuliert, um ihre Privilegien zu behalten; die Akademiker haben herausgefunden, wie sie ihre Vorteile an ihre Kinder weitergeben können, wodurch die Meritokratie zu einer Erbaristokratie geworden ist.“ (S 191; vgl. Philipp Blom)

Wir müssen nicht erst über den großen Teich blicken, um zu sehen, was auf uns zukommen wird. Denn die gespaltene Gesellschaft ist bereits in Europa angekommen.

2023-08-01_pw-portal_Tamara-Ehs-rezensiert-Schaefer-Zuern_demokratische-RegressionVgl. Cornelia Koppetsch: Die durch Deklassierung „verlorenen Einsätze und Investitionen des Subjekts“ sollen durch „Re-Klassifizierungsangebote“ wieder zurückgebracht werden.

Krise der repräsentativen Demokratie

Bereits im Jahr 2012 stellte Hubert Kleinert „Auszehrungserscheinungen“ der „klassischen Demokratien des Westens“ fest. In seiner Ursachenanalyse weist er darauf hin, „dass eine Reihe von Bedingungen, die für den Erfolg der Parteiendemokratie und die Integrationskraft des repräsentativen Systems in Deutschland und anderen vergleichbaren Ländern nach 1945 vorlagen, so nicht mehr vorhanden sind.“ Am Tag vor Weihnachten 2013 titelt Wolfgang J. Koschnik gar: „Die repräsentative Demokratie frisst ihre Kinder„.

2023-08-01_bpb_armin-schaefer_michael-zuern_die-demokratische-regressionTamara Ehs am Schluss ihrer Rezension des Buches „Die demokratische Regression“ von Armin Schäfer und Michael Zürn: „Politiker*innen von nicht-autoritärpopulistischer Prägung, welche dieser Tage noch knapp Wahlen gewinnen (Joe Biden, Emmanuel Macron und andere), sollten nicht froh sein, dass es ’noch mal gut gegangen ist‘, sondern dringend an der Demokratisierung der 2023-08-01_Armin-Wolf_Heinz-Fischer_2023-01-03Demokratie arbeiten.“ Die „Entfremdung von der Demokratie“ begünstigt den „Aufstieg autoritär-populistischer Parteien. […] Das Gefühl des Nicht-gehört-Werdens hat dabei eine klar sozioökonomische Komponente, die wiederum auf die Schieflage in der parlamentarischen Repräsentation repliziert (126).“

2023-08-01_pw-portal_Tamara-Ehs-rezensiert-Schaefer-Zuern_demokratische-Regression_Empfehlungen_Reformvorschlaege

Im folgenden Plädoyer für Bürgerräte als – ganz im Sinne von Jürgen Habermas – deliberative Institutionen wird versucht, Fragen zu beantworten, die es vor der Planung und Durchführung von Bürgerräten zu beantworten gilt:

„Wie inklusiv sind Bürgerräte, wer nimmt an ihnen teil, wie lassen sich diese mit den repräsentativen Institutionen wie dem Parlament kombinieren, welches Design der Bürgerräte verstärkt die demokratisierenden Effekte, welche Regelungen produzieren problematische Konsequenzen?“

Wolfgang Merkel, Filip Milačić und Andreas Schäfer haben in ihrer Studie „Bürgerräte“ versucht, diese für uns zu beantworten. Hier eine Sammlung von Textstellen aus deren Einleitung:

203-07-26_FES-Studie_Buergerraete_Sept-2021

Fakten versus negative Kritik

Mittlerweile gibt es auch zunehmend Kritik an „mehr Bürgerbeteiligung“. So würden Bürgerräte sogar „das Vertrauen in die Politik“ zerstören. Weil die Fakten allerdings eindeutig für eine flächendeckende Mitbestimmung durch verschiedene Modelle der Bürgerbeteiligung sprechen, ist die Kritik daran – aus durchaus verständlichen Beweggründen – mitunter polemisierend und/oder inhaltlich unrichtig. Schließlich aber heben jahrhundertelange Anwendungen die Vorteile von Losverfahren durch mehr „Wohlstand, Prosperität und Kultur“ noch dadurch hervor, dass sie gleichzeitig „politische Stabilität“ gewährleisten, „trotz großer interner Unterschiede zwischen rivalisierenden Gruppen“. (Gegen Wahlen, 7. Aufl., 2021, S 83)


2023-03-08_eutopia-ruft_eine-einladung-zur-mitwirkung


Schlussbemerkungen

2023-09-23_Kulturstrategie-Steiermark_Zitat_DeuflhardAuf dem Weg zu mehr Demokratie durch institutionalisierte Bürgerbeteiligung liegt noch viel Arbeit vor engagierten Demokratiearbeiter:innen. Um erfolgreich im Sinne von „dauerhaft mitbestimmend“ sein zu können, ist es nach Erica Chenoweth förderlich, 3,5 Prozent der im jeweiligen Land lebenden und Steuer zahlenden Mitmenschen zu motivieren. Diesbezüglich können Demokratie-Festivals wertvolle Beiträge liefern.

Hilfreich sind dabei auch Überlegungen der Politikwissenschafterin Tamara Ehs. Sie hat im ersten Pandemiejahr ihren Essay „Krisendemokratie“ veröffentlicht, in dem sie sieben Lektionen aus der Coronakrise beschreibt. Eine davon lautet: „Pluralismus der Meinungen ist das Wesen der Demokratie. Die Vielfalt zu hören und aufzunehmen ist Gelingensvoraussetzung des demokratischen Staates und führt zu besseren Entscheidungen.“ Das gilt nicht nur für Wahlen in Krisenzeiten, auf die sie diese Lektion bezieht. Deutlich wird dies im Schlusskapitel „Utopie“, in dem sie festhält: „Im Grunde ist es auch egal, wo wir mit der Demokratisierung beginnen; wichtig ist nur anzufangen.“

2023-08-11_Beteiligungsstrategie-Land-Vorarlberg_Mitentscheiden-statt-nur-beraten_S-23

Birepräsentative (Zweikammer-)Modelle mit Losverfahren

Nachfolgend beschreibt sie verschiedene Ansatzpunkte für demokratiestärkende Veränderungen und zivilgesellschaftliches Engagement. Einen für mich zentralen Punkt formuliert sie so: „Um Lehren aus der Krise zu ziehen, muss man bereits den Regelzustand verändern. Hierzu könnte man […] auch ohne Gesetzesänderung die Geschäftsordnungen des National- und des Bundesrats partizipativer interpretieren.“ (Krisendemokratie, S 101 f) Zudem müssen im Unterschied zu Deutschland die Mitglieder des Bundesrates in Österreich nicht als Abgeordnete in die jeweiligen Landtage gewählt worden sein. Sie müssen lediglich zum Landtag wählbar sein (Art. 35 (2) B-VG).

An anderer Stelle konkretisiert Tamara Ehs mit den Worten: Für Österreich würde dies auf Nationalstaatsebene bedeuten, den Bundesrat als Bürgerrat neu zu gründen.

2023-08-18_derstandard_Milo-Tesselaar_Buergerrat-statt-Bundesrat
Milo Tesselar schließt mit den Worten: „Um gestärkt aus der gegenwärtigen Krise unserer Demokratie zu gehen, sollten wir diese Möglichkeit des Bürgerrats im Parlament ernsthaft diskutieren. Österreich muss dabei aus Eigeninteresse vorausgehen. Mit einem Bürgerrat statt des Bundesrats können wir unsere Demokratie wesentlich verbessern und nebenbei ein Vorreiter in Europa und Vorbild für die Welt werden.“

2023-08-04_Land-Stmk_Kulturstrategie_Primas-Schrempf_lebendige-Demokratie
Beispiele für „Formate und Übungsfelder“, die es zu etablieren gilt

„Wenn die Parteien sich dafür entscheiden, die in den Bundesrat zu entsendenden Personen aus einem per Los bestimmten Pool von Anwärter*innen auszuwählen und diese dann gemäß den gesetzlichen Regeln des B-VG durch den Landtag zu wählen, ist diese Vorgehensweise grundsätzlich zulässig.“ (Gemini, 2025-12-12)

Die Idee eines partizipativeren Parlamentarismus ist nicht neu. So haben bereits Anthony Barnett & Peter Carty im Jahr 2008 (s. Anmerkung 7) darauf hingewiesen, das House of Lords, die zweite Kammer des britischen Parlaments, „nicht abzuschaffen oder ihre Kompetenzen einzugrenzen, sondern den Bestellungsmodus dahingehend zu ändern, dass ein Teil seiner Mitglieder künftig unter allen britischen Bürgern ausgelost würde.“ (Hubertus Buchstein, 2009) Siehe auch Überlegungen des WBGU zur Einführung einer „Zukunftskammer„. Das war im Jahr 2011. Im selben Jahr wurde der „ursprünglich für Wien tätige VerbandAktion 21 – pro Bürgerbeteiligung „auf ganz Österreich ausgeweitet“.

2023-07-31_aktion21-pro-buergerbeteiligung

Besonders ausführlich sind die Überlegungen des belgischen Politikwissenschaftlers und Sachbuchautors David Van Reybrouck in seinem Buch „Gegen Wahlen“:

2022-11-29_Van-Reybrouck_Vertrauenskrise

Diese Lehren zieht David Van Reybrouck ua aus seinem „flüchtige[n] Überblick über die Geschichte“: „Der Gebrauch des Losverfahrens fiel häufig mit dem Höhepunkt von Wohlstand, Prosperität und Kultur zusammen“, das Losverfahren sorgte für „weniger Konflikte und größere Beteiligung der Bürger“, es wurde „immer in Kombination mit Wahlen praktiziert, um Kompetenz zu garantieren“* und „Staaten, die das Losverfahren anwandten, erlebten häufig Jahrhunderte der politischen Stabilität, trotz großer interner Unterschiede zwischen rivalisierenden Gruppen.“ (S 82 f)

*| Sich auf Montesquieu und Rousseau beziehend schlussfolgert Van Reybrouck: „Die zwei wichtigsten Bücher über politische Philosophie aus dem achtzehnten Jahrhundert stimmen […] darin überein, dass das Losverfahren demokratischer sei als Wahlen und dass eine Kombination beider Methoden für eine Gesellschaft von Vorteil sei. Die aleatorischen und elektoralen Verfahren könnten einander stärken.“ (a. a. O., S 85; vgl. Hubertus Buchstein)

2023-09-29_Van-Reybrouck_Demokratie-Blaupause_Terrill-Bouricius

Auf dem Weg zu einer partizipativen Demokratie gilt es „zahlreiche Hindernisse“ zu überwinden. Diese beiden stellen dabei die größten Herausforderungen dar:

  • Herkömmliche politische Eliten sind von sich aus allenfalls in Sonntagsreden vom wohlstandsverbessernden Stabilisierungsfaktor einer Loskammer (House of Lots) überzeugt.
  • Das Fehlen einer attraktiven Kultur der Beteiligung macht es schwierig, dem Erfinden von „irgendwelche[n] Ausreden“ konstruktiv zu begegnen.

Eine Plattform PRO Bundes-BürgerRat könnte beispielsweise einen Arbeitskreis mit der Erstellung von Konzepten zur Überwindung dieser Hindernisse beauftragen. Let’s do it!


2023-10-18_Stiftung-Mitarbeit_Demokratie-wirksam-foerdern_Repraesentativitaet_mit-Anmerkung

Da die besseren Lösungen komplexer Aufgabenstellungen insbesondere in einer individualisierten Welt ganzheitliche Herangehensweisen erfordern, darf am Schluss auf diese Hinweise von Papst Franziskus, Michael Landau und Kurt Remele nicht verzichtet werden:

2023-10-02_Kurt-Remele_Aufrufe-zu-Handeln

Die gesellschaftliche Eingliederung der Armen

Der private Besitz von Gütern rechtfertigt sich dadurch, dass man sie so hütet und mehrt, dass sie dem Gemeinwohl besser dienen; deshalb muss die Solidarität als die Entscheidung gelebt werden, dem Armen das zurückzugeben, was ihm zusteht. Wenn diese Einsichten und eine solidarische Gewohnheit uns in Fleisch und Blut übergehen, öffnen sie den Weg für weitere strukturelle Umwandlungen und machen sie möglich. Eine Änderung der Strukturen, die hingegen keine neuen Einsichten und Verhaltensweisen hervorbringt, wird dazu führen, dass ebendiese Strukturen früher oder später korrupt, drückend und unwirksam werden.

EvG 189

2023-10-13_Radikale-Solidaritaet


Der Inhalt dieser Webseite als pdf-Datei mit einem Vorwort vom 7. Oktober 2023, dem „Welttag für menschenwürdige Arbeit„.